Neue Leitlinie: „Audiotherapie in der Hörakustik“

Die Europäische Union der Hörgeräteakustiker e. V. (EUHA) hat verschiedene interdisziplinäre Arbeitskreise, die sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Leitlinien beschäftigen. Ganz aktuell wurde die Leitlinie „Audiotherapie in der Hörakustik“ publiziert. Wolfgang Luber, EUHA-Präsidiumsmitglied und Vorsitzender des Arbeitskreises Audiotherapie, stellte diese im Rahmen des 61. Internationalen Hörgeräteakustiker-Kongresses 2016 vor und gibt vorab im Interview mit der „Hörakustik“ Hintergrundinformationen zum Nutzen und der Entwicklung der Leitlinie.

Hörakustik: Herr Luber, auf dem Internationalen Hörgeräteakustiker-Kongress im vergangenen Jahr in Nürnberg haben Sie angekündigt, in diesem Jahr eine Leitlinie zum Thema Audiotherapie zu entwickeln. Inzwi­schen ist es soweit, vor Kurzem wurde die Leitlinie publiziert. Warum haben Sie sich gerade dieses Thema auf die Fahnen geschrieben und wie wurde diese neue Leitlinie entwickelt?


Wolfgang Luber: Die Audiotherapie ist ein zentrales Element der Hörsys­temversorgung. Es war mir wichtig, mit der neuen EUHA-Leitlinie ein State­ment und ein positives Signal für die Branche zu setzen und deutlich zu machen, Hörakustik und Audiothera­pie gehören zusammen. Deren Ent­wicklung erfolgte dann über einen konstruktiven Dialog bei regelmäßigen Treffen. Es war recht einfach – schließ­lich arbeiteten in der Arbeitsgruppe ganz hervorragende Experten zusam­men.


Hörakustik: Wie setzt sich der Ar­beitskreis Audiotherapie zusammen und warum wurden gerade diese Per­sonen in den Arbeitskreis aufgenom­men?


Wolfgang Luber: Claudia Dreher, Vorstandsmitglied des Bundes deutsch­sprachiger Audiotherapeutinnen und Audiotherapeuten (BdAt) e. V., und Pro­fessor Dr. Annette Limberger von der Hochschule Aalen haben sowohl wis­senschaftliches Know-how als auch praktische Erfahrung auf dem Gebiet der Audiotherapie und sind Referen­tinnen des EUHA-Fortbildungskurses zum Audiotherapeuten, den die EUHA in Kooperation mit der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KödR (biha) einmal pro Jahr anbietet. Esther Kruse von der Akademie für Hörgeräte-Akus­tik (aha) in Lübeck hat als Dozentin und Gestalterin schon vor Jahren Pio­nierarbeit in der Audiotherapie geleistet und ist dem Thema bis heute hochkompetent und engagiert treu ge­blieben. Jürgen Pöpsel ist Hörakusti­kermeister sowie Audiotherapeut und befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit der Umsetzung der Audiotherapie im betrieblichen Alltag. Bei der Zusam­mensetzung der Gruppe haben wir be­wusst auf unterschiedliche Sichtweisen und langjährige Erfahrung Wert gelegt. Übrigens war das Interesse, an diesem Projekt mitzuwirken, sehr groß. Leider konnten wir nicht alle aufnehmen, die ihre Mithilfe angeboten haben. Hierfür bitte ich auch hier nochmals um Ver­ständnis. An der vielfachen Resonanz erkennt man aber die Aktualität des Themas.


Hörakustik: Gab es bei der Erarbeitung der Leitlinie besondere Knack­punkte oder Aspekte, bei denen eine intensivere Auseinandersetzung not­wendig war? Schließlich kommen die einzelnen Mitglieder des Arbeitskreises ja aus ganz unterschiedlichen Berei­chen.


Wolfgang Luber: Stimmt – das war sowohl spannend als auch wertvoll. Natürlich gab es unterschiedliche Herangehensweisen, Wünsche oder auch Schwerpunkte. Es wurde aber sehr schnell klar, dass ein Ziel vor-rangig ist: Die Interessen und Bedürf­nisse unserer Branche sollten den ro­ten Faden bilden. Hierin bestand sehr schnell Einigkeit, und somit stand ei­ner konstruktiven Arbeit nichts im Weg. Dies geht übrigens auch aus dem Titel der Leitlinie hervor. Sie heißt ganz bewusst „Audiotherapie in der Hör­akustik“.


Hörakustik: Warum ist Audiotherapie wichtig und wann sollte sie an­gewendet werden?


Wolfgang Luber: Eine erfolgreiche Hörsystemversorgung kümmert sich immer auch um den Menschen. Den­ken Sie nur an die allgegenwärtige Hörentwöhnung, an persönliche und soziale Folgen der Hörminderung oder an die Herausforderung, sich im akus­tischen Umfeld wieder sicher zu bewe­gen. Wer Hörsysteme bekommt, benö­tigt auch Begleitung auf seinem Weg zurück in die Welt des Hörens. Das war schon immer eine wichtige Aufgaben­stellung im Rahmen der Hörversor­gung und letztlich auch deren Erfolgs­rezept. Daraus ergibt sich bereits die Antwort auf den zweiten Teil der Frage: immer. 


Hörakustik: Wie gestaltet sich Au­diotherapie? Welche zeitlichen und inhaltlichen Vorgaben gibt es?


Wolfgang Luber: Jeder Hörakusti-ker verwendet – bewusst oder unbe­wusst – in seiner täglichen Arbeit au­diotherapeutische Elemente. Hier geht es aber um viel mehr, nämlich um die strukturierte Arbeit mit definierten Inhalten, einem festen Rahmen und einem vorab gestalteten Zeitplan. In­nerhalb dieser Parameter gibt es durch­aus Gestaltungsfreiraum, der sich nach den Bedürfnissen des Kunden, aber auch nach den Möglichkeiten und Zie­len des Audiotherapeuten richtet. In der Leitlinie geben wir hierzu Empfeh­lungen, welche aus den praktischen Erfahrungen resultieren.


Hörakustik: Wer kann audiothera­peutische Maßnahmen anbieten und welche Voraussetzungen sind dafür notwendig?


Wolfgang Luber: Ich empfehle es je­dem Hörakustikbetrieb. Um eine struk­turierte Audiotherapie durchzuführen, benötigt man natürlich angemessene Kompetenz, welche man in den ent­sprechenden Kursen erwerben kann. Diese Kurse werden von der EUHA und der biha sowie vom Deutschen Schwer­hörigenbund e. V. (DSB) angeboten.


Hörakustik: Welche neuen Erkennt­nisse haben Sie ganz persönlich aus dem Arbeitskreis mitgenommen?


Wolfgang Luber: Aufgrund des um­fangreichen Fachwissens und des hohen Erfahrungsschatzes aller Teil­nehmer gab es natürlich auch bei mir viele neue Einsichten. Davon habe ich ganz persönlich profitiert. Die ab­schließende Erkenntnis ist aber nicht neu: Es lohnt sich immer, intensiv an einem Thema zu arbeiten, und der Austausch mit anderen Menschen ist immer eine Bereicherung.


Hörakustik: Zur Leitlinie gehört auch ein Fragebogen zur Statusbestimmung, warum ist dies so wichtig? Und welchen Nutzen hat er für den Kunden und den Hörakustiker?


Wolfgang Luber: Zu einer professionellen Arbeit gehört es auch, deren Er­folg messbar zu machen. In der Audio­therapie ist das gar nicht so leicht, da wir es ja mit vielen subjektiven Fakto­ren zu tun haben. Mit dem Fragebogen zur Statusbestimmung ist es uns den­noch gelungen, diese Faktoren greifbar zu machen. Er hilft zu Beginn der Au­diotherapie bei der Planung von Zielen und Schwerpunkten. Am Ende der Au­diotherapie wird damit eine weitere Statusbestimmung durchgeführt, wel­che dann zur Validierung der audiotherapeutischen Maßnahme dient. Schließlich wollen wir wissen, ob un­sere Arbeit erfolgreich war.


Hörakustik: Was versprechen Sie sich von der neuen Leitlinie „Audiothe­rapie in der Hörakustik“ und welchen Nutzen hat der Hörakustiker in seinem Alltag davon?


Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen November-Ausgabe. „Hörakustik“ – einfach mehr wissen.
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