Ausstellernachrichten 2017


Nachlese des 62. Internationalen Hörakustiker-Kongresses in Nürnberg

8 300 Gäste aus 83 Ländern besuchten in diesem Jahr Fachvorträge oder die Industrieausstellung mit ihren 135 Ausstellern, die an ihren Ständen Produkte rund um die Hörakustik präsentierten. Auf den nachfolgenden Seiten stellen die Teilnehmer der Industrieausstellung ihre Messehighlights 2017 noch einmal vor – für alle, die sich an ihren Besuch in Nürnburg zurückerinnern wollen, und für jene, die nicht vor Ort sein konnten und sich nun nachträglich informieren möchten. Für die Richtigkeit aller Angaben sind die Firmen jeweils selbst verantwortlich.

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Mut machen für mehr Musikgenuss

Anlässlich des bundesweiten Cochlea-Implantat(CI)-Tages am 10. Juni 2017 werden in ganz Deutschland unterschiedliche Events und vor allem diverse Informationsveranstaltungen zum Thema CI durchgeführt. Auch die CI-Selbsthilfegruppe Frankfurt ist wieder mit von der Partie und hat für dieses Jahr ein besonderes Projekt geplant. Worauf sich CI-Träger, schwerhörige und auch gut hörende Personen freuen können, lesen Sie im folgenden Beitrag. Auch in den vergangenen Jahren war die CI-Selbsthilfegruppe Frankfurt am bundesweiten CI-Tag aktiv und betreute einen Infostand auf dem Frankfurter Paulsplatz. In die­sem Jahr wollte sie aber etwas Neues machen. Aus diesem Grund arbeitet Ingrid Kratz, bilateral CI-versorgt und seit neun Jahren Leiterin der CI-Selbst­hilfegruppe in Frankfurt, für das Pro­jekt mit Sascha Roder zusammen. Der Sonderpädagoge und Soziologe war bis 2012 im Bereich der Hörrehabilitation mit CI-Trägern tätig. Seit 2013 führt er in Zusammenarbeit mit dem Hals-Na­sen-Ohren(HNO)-Universitätsklinikum Frankfurt unterschiedliche Musikpro­jekte für Menschen mit einer Hörbe­einträchtigung durch. Das Stecken­pferd der beiden Organisatoren ist die Musik, die auch bei der geplanten Ver­anstaltung eine bedeutende Rolle ein­nimmt.

Kratz, eine große Musikliebhaberin, gelang es nach jahrelangem Üben, Mu­sik wieder genießen zu können. Roder bekam von CI-Trägern immer wieder die Rückmeldung, dass das Sprachver­stehen schon gut klappe, aber Musik furchtbar klinge. CIs sind in erster Li­nie darauf ausgelegt, Sprache wieder verständlich zu machen, dennoch kann die Technik auch im Bereich Musikver­stehen sehr viel leisten. Roders Ein­druck ist daher, dass es meist an feh­lendem Training der Betroffenen und deren Angst liegt, es nach einem Miss­erfolg, bei dem alles furchtbar klang, weiter zu probieren. Das bedauert Roder, denn „Musik ist kein Luxus, sondern gehört zum alltäglichen Leben dazu. Das beginnt bei der Sprache mit der Sprachmelodie, geht über alle For­men akustischer Reize im Alltag, und ganz am Ende steht der Hochgenuss einer klassischen Oper oder eines klas­sischen Konzertes“.

Um CI-Trägern die Musik wieder näherzubringen, initiierte er diverse Musikprojekte – zunächst in unter­schiedlichen Kliniken, später auch an anderen Orten, beispielsweise an der Frankfurter Oper. Denn die meisten Menschen, die nach einer CI-Versor­gung wieder Musik hören wollen, ge­ben zu schnell auf, beobachten sowohl Roder als auch Kratz. Daher wollen sie alle Betroffenen ermutigen, so lange weiter zu üben, bis sie ein angenehmes Musikverstehen erreichen. Das kann mitunter Jahre dauern, weiß Roder aus seiner Arbeit. Gerade deshalb, so die Einschätzung der beiden Organisato­ren, sei es umso wichtiger, am Ball zu bleiben.

Eine einzelne Veranstaltung kann nicht bewirken, wofür ein CI-Träger jahrelange Übung braucht. Was die bei­den Organisatoren jedoch erreichen wollen, ist Lust und Interesse zu we­cken sowie den Menschen Impulse zu geben, auf denen sie aufbauen können. Denn wenn CI-Träger bei einer solchen Veranstaltung, die auf deren Bedürf­nisse eingeht, einen einzelnen Beitrag verstehen, kann das ein Anreiz sein, sich weiter mit dem Thema Musik zu beschäftigen. Sie besuchen dann viel­leicht ein anderes Konzert oder besor­gen sich eine CD, üben zu Hause weiter und setzen sich mit dem Thema „Hören mit CI“ aktiv auseinander. Um das zu erreichen, organisieren Kratz und Roder am 10. Juni 2017 eine Veranstal­tung von 13 bis 20 Uhr im Ballettsaal der Oper Frankfurt, mit der sie schon häufiger zusammengearbeitet haben.

Die Veranstaltung selbst wird aus drei Teilen bestehen. Ab 13 Uhr werden drei Vertreter des HNO-Universitätsklinikums Frankfurt am Main und ein Vertreter der MEDIAN Kaiserberg-Klinik Bad Nauheim Vorträge über verschiedene Themen rund um das Thema CI halten. Ab 15 Uhr findet eine musikalische Lesung statt, bei der Gedichte von Theodor Storm und Wilhelm Busch vorgetragen werden. Das Ziel dabei ist, Sprache und Musik zu verbinden, was ganz alltäglich ist, wobei CI-Trägern das Verstehen häufig schwerfällt.

Während der Lesung wechseln sich verschiedene Elemente ab, teilweise wird nur gelesen, dann kommt ein Instrument hinzu oder es spielt für eine Weile alleine. Dann kommt eine zweite Stimme hinzu oder eine Stimme spricht, begleitet durch das Instrument. Geplant sind auch Soloeinlagen von Violine, Cello und Klavier. Zudem wird für die Veranstaltung sogar ein eigenes Stück komponiert, ein Tanzstück im Folk-Stil, bei dem sogar ein Schlagzeug involviert ist. Während der Veranstaltung geht es aber nicht nur ums Hören, sondern insgesamt um das Erleben. So spielt das Sehen der Instrumente auch eine wichtige Rolle sowie das Spüren der Töne und Klänge auf der Haut und im ganzen Körper. Ab 18 Uhr wird ein Percussion-Workshop angeboten, bei dem die Teilnehmer mit unterschiedlichsten Instrumenten, wie Trommeln, Cajon oder Marimbaphon, experimentieren und so eine Vielfalt von Rhythmen und Klängen erleben können.

Gespielt werden die Instrumente von Profimusikern der Oper Frankfurt, die Roder im Rahmen der Planung für die Veranstaltung angesprochen hat. Dabei, und auch schon bei der Organisation vorangegangener Projekte, stellte er eine große Bereitschaft der Opernmusiker fest, an den Projekten für CI-Träger mitzuwirken.

Regelmäßige Pausen sollen nicht nur dazu dienen, dass bei denjenigen, für die Hören sehr anstrengend ist, die Ohren abklingen können, sondern auch, um sich am Buffet zu stärken oder sich zu informieren. Denn die CI-Selbsthilfegruppe Frankfurt und auch ein Hörakustiker werden bei der Veranstaltung mit einem Infostand vertreten sein und können Fragen beantworten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich mit den Musikern auszutauschen.

Zudem wird auch während der Darbietungen auf die Zuhörer eingegangen und bei Bedarf können Teile wiederholt, langsamer oder mit einem anderen Instrument gespielt werden. Um den Austausch zu fördern, sind zu der Veranstaltung CI-Träger und schwerhörige Personen mit Hörgeräten genauso wie gut hörende Menschen eingeladen. Für ein gutes Verstehen wird eine zusätzliche Ringschleife verlegt und bei der Lesung werden die Sprecher elektronisch verstärkt. Die Bestuhlung wird darüber hinaus in Halbkreisform angeordnet sein, damit alle Teilnehmer möglichst nah am Geschehen sind und beispielsweise das Mundbild der vortragenden Personen sehen können.

Der Ballettsaal der Oper Frankfurt bietet nur begrenzt Platz und um allen ein schönes Erlebnis bieten zu können, ist die Veranstaltung teilnahmebeschränkt. Es wird die Möglichkeit bestehen, sich gezielt für einzelne Darbietungen anzumelden.

Die Veranstaltung ist eintrittsfrei. Auch wenn der Saal von der Oper unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird, fallen Kosten an, die nicht alleine durch die Mitgliedsbeiträge im CI-Selbsthilfeverband gedeckt werden können. Daher sind die Organisatoren auf Sponsoren angewiesen, die im Flyer zur Veranstaltung aufgeführt werden. Wer sich für weitere Details interessiert oder dieses mit viel Herzblut organisierte Projekt finanziell unterstützen möchte, kann sich gerne an Ingrid Kratz ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) wenden. Die beiden Organisatoren freuen sich über jeden Interessierten und jede Unterstützung.

Monika Seidel

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