Erfindergeist aus Innsbruck

An der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Innsbruck wurden drei Absolventen ausgezeichnet für die Entwicklung eines Assistenzgerätes, das Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen bei der Erkennung von alltäglichen Geräuschen helfen soll. Das sogenannte AudioAnt soll akustisch und visuell auf Geräusche wie Türklingeln oder Telefonläuten hinweisen und Schwerhörenden den Alltag erleichtern.

Entstanden ist die Idee von Daniel Sparber, Benjamin Hackstock und Florian Langer gemeinsam mit ihrem Projektbetreuer Professor Bene­dikt Frischmann. Dessen Onkel über­hört wichtige Alltagsgeräusche, wenn er seine Hörgeräte zu Hause nicht trägt oder durch andere Töne wie Musik oder Fernsehgeräusche abgelenkt ist.


Der begleitende Professor der HTL schlug den jungen Entwicklern also vor, für seinen Onkel − und natürlich auch für andere Schwerhörige − ein helfendes Gerät zu entwickeln. Es soll­te Töne und Geräusche erlernen und sie wiedererkennen, sodass die hörgeschädigte Person optisch, akustisch oder haptisch darüber informiert wer­den kann.


Sparber, Hackstock und Langer star­teten das Projekt zunächst mit ausführ­lichen Recherchen, einem Fragebogen, den sie an Betroffene versendeten und einigen Untersuchungen zur Benutzer­freundlichkeit des Gerätes. In Arbeits­teilung entwickelten sie anschließend die Hardware und die Software mit der Audioanalyse sowie der Signalweiter­gabe über eine Handy-Applikation. Das Gerät, das den Projekttitel AudioAnt erhielt, wurde mit einem Mikrofon ausgestattet. Es soll für die dauerhafte Aufzeichnung des Geräuschumfeldes sorgen. Dabei prüft und vergleicht ein eingebauter Mikrocontroller die gene­rierten Audiodaten mit den zuvor ge­speicherten Geräuschen.


Bis zu 60 ver­schiedene Geräusche soll sich das kleine Gerät dabei merken können. Auf dem Herzstück des kleinen Ge­rätes, dem Microcontroller-Board, läuft die programmierte Audioanalyse. Der Minicomputer liest darüber hinaus die Sensoren ein und steuert die Ausgabe­geräte an. Die Ausgabegeräte kommen zum Einsatz bei einer Übereinstim­mung zwischen dem AudioAnt und beispielsweise der Türklingel oder dem Telefon. Der Benutzer soll dann akus­tisch per Piepton, visuell per Blinklicht und Displayanzeige und haptisch per Vibration des Smartphones über den Ton informiert werden.


Durch ein ein­gebautes WLAN können Geräusche direkt über das Smartphone, das auch die komplette Steuerung des AudioAnt übernehmen kann, eingegeben wer­den. Eine integrierte Ladestation zum kabellosen Aufladen des Smartphones soll darüber hinaus den Benutzerkom­fort erhöhen.


Ausgezeichnet wurden Sparber, Hackstock und Langer für ihre Diplom­arbeit im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen mit dem „Be the best“-Preis vom Förderverein Technik Tirol, der seit sechs Jahren die besten Diplomarbei­ten prämiert. Der jährlich veranstaltete Wettbewerb setzt sich zum Ziel, die Abschlussarbeiten einem breiteren Publikum vorzustellen, den Stellenwert technischer Ausbildungen zu erhöhen und den Gewinnern eine erste Kon­taktaufnahme mit potenziellen Arbeit­gebern zu ermöglichen. Nicht zuletzt sollen dadurch andere Jugendliche ani­miert werden, auch einen technischen Beruf zu ergreifen. Anfragen nimmt Professor Benedikt Frischmann entge­gen unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.



Anja Hübel

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