Ausstellernachrichten 2017


Nachlese des 62. Internationalen Hörakustiker-Kongresses in Nürnberg

8 300 Gäste aus 83 Ländern besuchten in diesem Jahr Fachvorträge oder die Industrieausstellung mit ihren 135 Ausstellern, die an ihren Ständen Produkte rund um die Hörakustik präsentierten. Auf den nachfolgenden Seiten stellen die Teilnehmer der Industrieausstellung ihre Messehighlights 2017 noch einmal vor – für alle, die sich an ihren Besuch in Nürnburg zurückerinnern wollen, und für jene, die nicht vor Ort sein konnten und sich nun nachträglich informieren möchten. Für die Richtigkeit aller Angaben sind die Firmen jeweils selbst verantwortlich.

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Fragwürdige Erfolgsaussichten

Trump und seine dritte Ehefrau Melania Trump.@Foto: Marc NozellUSA-Präsident Donald Trump will den Plan der Obama-Regierung vorantreiben, der die Hörsystemversorgung in den USA für alle erschwinglich machen soll: mittels Over-the-counter(OTC)-Geräten, also Geräten, die einfach „über die Ladentheke“ verkauft werden. Daher hat er die staatliche Medizinregulierungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zur Zulassung solcher OTC-Produkte angewiesen, schrieb die „New York Times“ am 12. Juni.

Schon am 12. Juli stimmte das Repräsentantenhaus diesem Plan zu, am 3. August nun auch der Senat. Wenn auch Trump das Gesetz unterschreibt, können zukünftig OTC-Produkte für leichte und mittlere Hörbeeinträchtigungen direkt verkauft werden – ohne Hörtest, Anpassung und fachmännischen Service eines Hörakustikers.

Die FDA muss zuvor jedoch genaue Kriterien für diese Geräte festlegen. Dafür hat sie drei Jahre Zeit. Erst dann können OTC-Geräte auf den Markt gebracht werden. Das richtige Gerät und die passende Einstellung muss der Käufer dann selbst herausfinden. Doch ist das realistisch?

Eher nein, zeigt eine Untersuchung der Indiana University mit rund 150 Personen zwischen 55 und 79 Jahren mit leichter bis mittlerer Hörminderung, die noch nie Hörsysteme getragen haben. Ein Teil der Teilnehmer bekam von Audiologen je ein paar moderner High- End-Hinter-dem-Ohr-Hörsysteme zum Verkaufswert von 3.600 Dollar angepasst. Ein anderer Teil suchte sich nach einem kurzen Instruktionsvideo seine Hörsysteme (vermeintliche OTC-Geräte) selbst aus.

Es handelte sich zwar um die gleichen Hörsysteme wie in Gruppe eins (dabei wurde ihnen aber ein Verkaufspreis von 600 Dollar genannt), allerdings gab es nur die Wahl zwischen drei auf die häufigsten Hörminderungen vorprogrammierten Varianten. Einem dritten Teil der Teilnehmer (Placebo-Gruppe) wurden von den Audiologen ebenfalls die gleichen Hörsysteme angepasst – allerdings wurden sie so eingestellt, dass sie keine akustische Verstärkung boten.

Die Zuteilung zu den Gruppen erfolgte zufällig; alle wurden ermutigt, die Hörsysteme täglich sechs bis acht Stunden zu nutzen. Nach sechs Wochen verglichen die Forscher die Einschätzungen anhand eines Fragebogens, etwa zum Nutzen der Hörsysteme, und die Ergebnisse in einem Sprachverständnistest. Die beiden ersten Gruppen erzielten vergleichbare, klinisch relevante Verbesserungen bei beiden Messungen, berichtet Dr. Larry Humes, angesehener Professor für Sprach- und Hörforschung und Hauptautor der kürzlich im Fachmagazin „American Journal of Audiology“ veröffentlichten Studie.

Es habe keinen Einfluss, ob der Audiologe die Hörsysteme angepasst hatte oder der Hörsystemträger selbst seine Wahl getroffen habe. In beiden Hörsystemgruppen sei die Versorgung gleich effektiv gewesen. Ein Unterschied zeigte sich allerdings: Die erste Gruppe mit den audiologisch angepassten Hörsystemen würde sich zu 81 Prozent überlegen, die Hörsysteme zu kaufen – bei der Selbstwahlgruppe waren es nur 55 Prozent; bei der Placebo-Gruppe immerhin noch 36 Prozent.

Nach dem sechswöchigen Test wurde der OTC- und Placebogruppe eine vierwöchige professionelle audiologische Betreuung angeboten. Dadurch stieg in beiden Gruppen die Zufriedenheit der Hörsystemträger mit ihren Geräten deutlich. Abschließend überlegten nämlich alle bis auf zwei Teilnehmer, ihre Hörsysteme zu behalten. Dieses Ergebnis zeigt, wie wichtig die fachgerechte Betreuung für eine erfolgreiche Anpassung ist.

Die Autoren meinen, durch die Studie zu untermauern, dass vom Kunden selbst angepasste OTC-Geräte gleichwertig mit modernen Hörsystemen sind. Problematisch ist allerdings, dass die ziemlich einfach gehaltene aktuelle OTC-Technik gar nicht in ihrer Effektivität getestet wurde. Die deutlich aufwendigere Technologie moderner Hörsysteme arbeitet vermutlich auch bei nicht optimaler Einstellung noch besser als die derzeitige OTC-Gerätetechnik.

Vielleicht würden solche Geräte und die omnipräsente Verfügbarkeit dennoch hörbeeinträchtigten Menschen den Einstieg in die Hörsystemversorgung erleichtern. Es besteht aber auch die Gefahr, dass schlechte Erfahrungen mit OTC-Geräten zu einer allgemein negativen Einschätzung des Nutzens von Hörsystemen führen.

Hörsystemhersteller und Audiologen sind der Ansicht, dass OTC-Geräte überhaupt nur für leichte Hörbeeinträchtigungen verwendet werden sollten. Bei größeren und komplexeren Hörminderungen sei keine erfolgreiche Versorgung möglich, so Carole Rogin, Vorsitzende der Vereinigung der US-Hörgeräteindustrie.

Anja Facius

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