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Entscheidung des Monats

Foto: Gudrun Porath

Zum Abschluss der Vorträge in Raum Kopenhagen forderte Sebastian Wiesner, Teamleiter Produkt- und Softwaretraining bei Bernafon, noch einmal die ganze Aufmerksamkeit der Teilnehmer ein. Wiesner machte deutlich, dass Verstärkung und dynamische Parameter nicht allein über den Erfolg einer Hörgeräteanpassung entscheiden. Er beschrieb, welche Ansätze sein Unternehmen in der Signalverarbeitung und Dynamikanpassung von Hörgeräten verfolgt. Wenn zwei Kunden mit nahezu identischer Hörkurve mit ganz unterschiedlichen Geräten versorgt werden müssen, liege das unter anderem daran, dass sich das Verhältnis zu Störgeräuschen und Lautheit im Laufe des Lebens verändere, bei Normalhörenden ebenso wie bei Hörgeschädigten, eröffnete Wiesner seinen Vortrag. Beim Verstehen in geräuschvoller Umgebung komme es nicht nur auf die quantitative Bestimmung des Hörverlustes an, es gehe auch um die Qualität des Hörens, den Wohlfühlfaktor. Wichtig sei zu erkennen, dass bei einem gleichen Hörverlust der Signal-Rausch-Abstand (SNR) der Kunden ganz unterschiedlich sein könne. Bei Bernafon habe man sich bei der Neuentwicklung von Hörgeräten deshalb besonders auf die SNR-Bestimmung und das Hören in geräuschvoller Umgebung konzentriert. Kunden, so die Erfahrung, wollen Geräte, die einen natürlichen Höreindruck vermitteln. Dafür habe das Unternehmen mit ANR Plus eine Methode entwickelt, die ständig den SNR analysiere. Ist Sprache dominant, wird die Störschallunterdrückung reduziert, ist der Störschall zu laut, greift die Unterdrückung. Als einfachste Möglichkeit, den SNR-Verlust eines Kunden zu erkennen, beschrieb Wiesner den Acceptable-Noise-Level(ANL)-Test, der heute in fast allen Geräten vorhanden sei. Den SNR-Verlust teilte Wiesner in vier Kategorien ein:

  • Bei einem SNR-Verlust von 0 dB bis 3 dB greift die Kategorie normal, die technologische Unterstützung muss nur gering eingestellt werden.

  • Ein SNR-Verlust von 3 dB bis 7 dB SNR erfordert, die dynamisch adaptiven Parameter leicht bis mittelgradig anzusiedeln und die technologische Unterstützung auf „mittel“ zu stellen.

  • Ein SNR-Verlust von 7 dB bis 15 dB fällt in die Kategorie hochgradig und erfordert unter Umständen Zubehör. Der Kunde muss darauf vorbereitet werden, dass die Anpassung schwieriger wird und/oder mehr Arbeit erfordert, um ihn zufriedenzustellen.

  • Bei einem extremen SNR-Verlust von 15 dB ist Zubehör zwingend notwendig. Das Hörgerät muss 15 dB Abstand im Störgeräusch in jeder Situation schaffen.

 Dem qualitativen Ansatz entsprechend verfolgt Bernafon zwei Sprachverarbeitungsstrategien: die phonembasierende Sprachverarbeitung und die enveloppenbasierende Sprachverarbeitung. Grundlage dafür ist die Channel-Free-Technologie, die auf Kanäle verzichtet und 20 000-mal pro Sekunde die Verstärkung verändern kann. Die phonembasierende Signalverarbeitung ist geeignet für Menschen mit guter auditiver Auffassung. Dabei wird jedes Phonem einzeln analysiert und verstärkt. Bei älteren Kunden und im WHO4-Bereich mit einem hochgradigen Hörverlust kommt die enveloppenbasierende Sprachverarbeitung zum Einsatz. Auch bei dieser Technik werde das Signal auf Phonemebene analysiert, aber die Verarbeitung erfolge linearer und verwende einen zeitlichen Mittelwert für die Verstärkung. So sei es möglich, den natürlichen Kontrast zwischen lauten und leisen Klängen besser zu bewahren. Für Kunden mit geringerem auditivem Auflösungsvermögen sei dies wichtig, um Sprache zu verstehen.

Schließlich kam Wiesner noch auf die qualitative Bewertung der Eingangspegel bei Bernafon-Hörgeräten zu sprechen. Mittels Dynamic Amplification Control (DAC) werde das Eingangssignal identifiziert. Nur wenn die Geräte Sprachanteile erkennen würden, werde ein leiser Eingangspegel nach oben komprimiert.   Gudrun Porath

 

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