EUHA-Kongress

Der 65. EUHA-Kongress wird vom 15. bis 17. September 2021 in der Deutschen Messe Hannover stattfinden. Das gaben die Europäische Union der Hörakustiker e. V. (EUHA) und der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie e. V. (BVHI) heute in einer gemeinsamen Stellungnahme bekannt.

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Der 65. Internationale Hörakustiker-Kongress mit Industrieausstellung, der vom 07. bis 09. Oktober 2020 in Hannover stattfinden sollte, wird verschoben. Das teilten die Europäische Union der Hörakustiker (EUHA) und der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI) soeben mit.

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Yaser Georgos, audiologischer Verkaufstrainer und Business Coach bei GN Hearing, setzte sich in seinem Vortrag mit der künstlichen Intelligenz (KI) in der Hörgerätewelt auseinander. KI sei hier seit ungefähr zehn Jahren im Einsatz. „Damals gab es die ersten Hörgeräte, die durch die Aktivitäten ihrer Träger gelernt haben. Waren wir in einer Gesellschaft, haben wir Programm zwei ausgewählt und je nach Situation haben wir die Geräte lauter oder leiser gestellt. Und wenn das Gerät das nächste Mal in die geräuschvolle Situation kam, hat es die Einstellung einfach beibehalten“, blickt Yaser zurück. Das sei natürlich eine sehr primitive Art der KI gewesen, aber für die damalige Zeit ein riesen Schritt. „Heutzutage wollen wir Emotionen in den Hörgeräten verarbeiten und dazu brauchen wir Technik, die uns zum Beispiel Sprache analysieren lässt − nicht nur Störgeräusche oder Umgebungsgeräusche, sondern wirkliche Sprache“, ergänzte der Verkaufstrainer. Er denkt an ein Produkt, das sich sogar unserem Leben anpasse, wie zum Beispiel unserem Terminplaner. Dann wisse das Hörgerät beispielsweise, wann sein Nutzer mit der Bahn fahre, wann er also von vielen Störgeräuschen umgeben sei und könne die Störgeräuschunterdrückung entsprechend anpassen. Damit die Hörsysteme auf die Bedürfnisse ihrer Träger optimal eingehen können, benötigten sie allerdings deren Feedback. Denn je mehr Informationen in die Hörgeräte einspielt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die passende Einstellung für die jeweilige Situation gefunden wird.

Georgos ging zudem der Frage nach, was passiere, wenn Hörsysteme Emotionen erkennen könnten. „Wenn das Hörgerät anhand der Stimme erkennt, dass die Person sauer ist, könnte es über eine App meditative Klänge in die Ohren streamen. Das könnte Teil einer KI sein.“ Insbesondere könnten ältere Kunden von einer KI profitieren, wenn das Hörsystem beispielsweise in der Lage ist, den Blutdruck oder den Blutzucker zu messen, um dem Arzt oder den Fachkräften eine Diagnose mitzuteilen.

Und wie sieht das bei Menschen aus, die taub geboren wurden oder spät ertaubt sind? Diese Frage zu beantworten, überließ der Business Coach Martin Reinholz, Technical Application Specialist bei Cochlear Deutschland. In Zukunft werde es hierzulande immer mehr bimodal versorgte Menschen geben, stieg Reinholz in das Thema ein – wegen des demografischen Wandels und dem Aufweichen der Indikationen. 1982 wurden die ersten tauben, erwachsenen Menschen versorgt. Ab 1987 wurden auch Kinder implantiert und seit den 1990er-Jahren werden auch Patienten mit einer Resthörigkeit versorgt. Heute gilt: Wer mit einem ideal angepassten Gerät zwischen 50 und 60 Prozent Sprachverstehen im Freifeld hat, ist definitiv indiziert für ein Cochlea Implantat (CI). Momentan halte sich der Profit für Hörakustiker bei der CI-Versorgung noch in Grenzen, aber das könne sich zukünftig ändern, so Reinholz. Bei einer bimodalen Versorgung sei es relativ wichtig, dass sich Hörgerät und CI verstehen. Das können das Streamen von Audio- und Telefonsignalen über das Smartphone sehr vereinfachen, fuhr der CI-Experte fort. „Kommen wir nun auf ein Feld, für das wir noch keine konkreten Pläne in der Schublade haben, also auf die Teleaudiologie zu sprechen. Denn dann könnten sich die CI-Träger die langen Anfahrtswege vom 180 Kilometer oder mehr für eine Einstellung einsparen.“ Das würde die Umwelt schonen und älteren CI-Trägern in die Hände spielen. Reinholz hofft, dass sich die Teleaudiologie für CIs zukünftig ebenso gut gestalten lasse wie für Hörgeräte.

Zur Beantwortung der Frage, ob wir Teleaudiologie brauchen, übernahm Georgos wieder das Mikrofon: „Unsere Kunden werden jünger – 50 Jahre sind nicht selten. Viele sind noch berufstätig und ihre Arbeitszeiten entsprechen oftmals den Öffnungszeiten der Fachgeschäfte. Ihnen würde es entgegenkommen, wenn die Erstanpassung im Geschäft stattfindet und der Rest über das Smartphone läuft“, ist sich der Referent sicher. Feinjustierungen könnten sogar live stattfinden und Einstellungen könnten in eine Datenbank eingespielt werden. Das alles sei möglich und davon profitierten sowohl der Hörakustiker als auch der Kunde. Zudem hätten Studien, bei denen es um das Sprachverstehen ging, ergeben, dass es nur minimale Unterschiede zwischen einer traditionellen Anpassung mit regelmäßigen Terminen und der reinen Teleaudiologie gebe. „Hörakustiker müssen ihre Arbeitseinstellung ändern, angesichts des demografischen Wandels müssen sie neue Wege gehen“, hielt Georgos am Schluss seines Vortrages ein Plädoyer für die Teleaudiologie.     Nadine Röser

Adam Schwarz, audiologischer Trainer bei Phonak, sprach über das Thema „Digitale Transformation in der Hörakustik“ und ging auf die treibenden Faktoren ein. Sicherlich seien das Konsumverhalten sowie der Komfort starke Kaufmotive, aber auch das Web, die Apps und die Cloud, schaffen sie doch die Möglichkeit, Hörgerätefunktionen leicht zu implementieren, zu teilen und verfügbar zu machen. Kostendruck und Automatisierung beschleunigen ebenfalls den Wandel. „Anpassungen müssen zügiger ablaufen, alles muss effizienter, irgendwie dynamischer und schnelllebiger sein“, sagte Schwarz und spielte auf die Babyboomer an, die schon in den Startlöchern sitzen. Diese Generation sei einfach anders, sie hole sich eine zweite Meinung ein, hinterfrage mehr, sei skeptisch und vorinformiert. Zudem wollen die Babyboomer maßgeblich am Entscheidungsprozess beteiligt sein, so Schwarz und zitierte hierzu aus einer an der University of Minnesota durchgeführten Studie: Hörakustiker und Kunden wurden gefragt, ob der erste Termin live in der Kabine oder online stattfinden soll. Beide sprachen sich für Ersteres aus. Bei der Nachkontrolle, dem Coaching und der Beratung gingen die Meinungen allerdings auseinander –Hörakustiker plädierten für einen Livetermin in der Kabine, für Endverbraucher war hingegen die Onlinevariante durchaus eine Option. Die Vorlieben von Hörakustikern und Endkunden triften auseinander, ist sich der audiologische Trainer sicher: „Aber die Technologie wird nicht den persönlichen Kontakt ersetzen, das möchte ich hier doppelt und dreifach unterstreichen.“ Vielmehr werde angesichts der Informationsflut die Meinung des Fachmannes immer bedeutsamer. „Es geht darum, den Menschen wirklich zu verstehen. Deshalb ist es wichtig, dass der erste Termin face to face stattfindet“, so Schwarz.

Aber der digitale Wandel lässt sich nicht aufhalten. In den vergangenen drei Jahren hat die Nutzung des Smartphones bei der Generation 55+ von knapp 50 auf 75 Prozent zugenommen. „Viele Hörakustiker stellen deshalb bei der Anamnese nicht mehr die Frage „Haben Sie ein Smartphone“, sondern „Welches Smartphone haben Sie“, bemerkte er und folgerte: „Das Berufsbild des Hörakustikers wird nicht verschwinden, aber es wird sich verändern müssen.“

Schwarz ging auf die Phonak-Lösungen in den Bereichen E-Audiology und E-Solution ein. Ganz allgemein erleichtern sie für Endkunden den Zugang zur Versorgung, sind an persönliche Bedürfnisse anpassbar, besitzen eine hohe Benutzerfreundlichkeit, garantieren eine familienorientierte Versorgung und eine alltagstaugliche Anpassung der Hörgeräte. Für den Hörakustiker erweitern die digitalen Lösungen das Serviceangebot, zeichnen sich durch eine hochmoderne Technologie aus und wirken sich auf seine Work-Life-Balance positiv aus. Und welchen Mehrwert haben sie für das Unternehmen? Sie tragen zur Differenzierung bei, erweitern den Kundenkreis, führen zu Kostenersparnissen, effizienteren Abläufen und einer höheren Kundenzufriedenheit.

Die Lösung, die Phonak aktuell auf dem Markt anbiete, sei echtzeitbasiert, fuhr er fort: „Mit dem Smartphone stellen wir eine aktive Verbindung zur Anpasssoftware Phonak Target her, dann kann die Remote-Session starten. Die Target rutscht ein kleines Stück nach rechts und links öffnet sich der Videochat mit dem Kunden. Zuerst spreche ich ganz normal mit dem Kunden, wie ich das im Fachgeschäft tun würde. Wenn der Kunde sagt, es pfeift, bitte ich ihn, die Kamera auf sein Ohr zu richten und schaue, ob die Otoplastik richtig sitzt. Ist das der Fall, starte ich die vollumfängliche Target-Software.“ Mit dem Hörtagebuch nannte der audiologische Trainer einen weiteren digitalen Service. Hier kann der Hörgeräteträger nach jedem besonderen Erlebnis eine kurze Bewertung abgeben, die der Hörakustiker abrufen kann. Ist der Eintrag negativ, reichen ein kurzer Anruf und eine Feinjustierung via Target aus, um das Hörerlebnis zu verbessern. Phonak möchte seine Hörakustiker dabei unterstützen, die digitale Transformation erfolgreich zu meistern, erklärte Schwarz. Die Anpassung beginne im Fachgeschäft, hier werde die Diagnose gestellt und das Hörgerät ausgewählt. Anschließend folgt dort die Erstanpassung, dann die Selbstanpassung über eine App und schließlich eine Nachkontrolle, bis der Kunde zufrieden sei. „Aber die meisten Anpassungen werden zwischen dem ersten und zweiten Termin, also zwischen der Erstanpassung und der Nachkontrolle abgebrochen. Und genau hier, bei der Nachkontrolle, wollen wir mit dem Remote-Support eingreifen, um näher am Kunden zu sein“, nennt der Referent einen weitere Vorteil von Teleaudiologie.     Nadine Röser

 

Weiter ging es mit Hartmut Richter, Leiter Forschung und Entwicklung bei audifon. Sein Thema war die Teleaudiologie: „Wir machen uns Gedanken darüber, wie wir die Interaktion zwischen Hörakustiker und Kunden durch Dienstleistungsinnovationen verbessern können.“ Gelingen soll dies mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt Audio-PSS, das an Produktservicesystemen in der Teleaudiologie forscht. Die Plattformlösung werde auf drei Ebenen entwickelt: auf der Eins-zu-eins-Ebene zwischen Hörakustiker und Hörgeschädigtem, auf der Eins-zu-n-Ebene, wobei mit n die Population aller hörgeschädigten Menschen gemeint ist, und auf der N-zu-m-Ebene. Hier geht es um die Verbindung zwischen der Welt der Hörgeschädigten und der der Normalhörenden.

Im Rahmen von Audio-PSS seien deutschlandweit bislang 600 Hörakustiker danach befragt worden, ob sie sich vorstellen könnten, innerhalb der nächsten fünf Jahre digitale Dienstleitungen in ihren Berufsalltag zu integrieren beziehungsweise wie ihre Kunden auf digitale Angebote reagieren würden, erklärte Richter. Zu den digitalen Dienstleistungen gehören unter anderem Monitoring der Hörgerätefunktionen, digitale Beratungsfunktionen, sofortige Fernanpassung – also Remote-Fitting – durch eine Servicezentrale, Kommunikation mit dem Hörakustiker über eine App oder soziale Netzwerke innerhalb der Community der Hörgeräteträger. Über die Hälfte der befragten Hörakustiker steht digitalen Dienstleistungen positiv gegenüber. Aber es gibt auch viele zurückhaltende Hörakustiker, die sich noch nicht entschieden haben. Besonders gut kam bei den Teilnehmern das Hörtraining an, wohingegen sie die sofortige Fernanpassung durch eine Servicezentrale ablehnten. Ferner wurde das berufliche Umfeld unter die Lupe genommen. Auf die Frage, ob die Mitarbeiter einen Wettbewerbsvorteil durch das Angebot digitaler Dienstleitungen sehen, antworteten 25 Prozent der Teilnehmer mit „Ja“ und 22 Prozent mit „Nein“; 53 Prozent waren sich unschlüssig. Besonders gut schnitt hier das Monitoring der Hörgerätefunktionen mit 59 Prozent ab. Im Vergleich dazu sahen nur 22 Prozent in der sofortigen Fernanpassung einen Wettbewerbsvorteil. Und wie sieht es mit der Akzeptanz von digitalen Services bei den Kunden aus? 35 Prozent der befragten Hörakustiker glauben, dass ihre Kunden auf eine solche Dienstleistung positiv reagieren, 57 Prozent wollten sich nicht festlegen und acht Prozent befürchten eine Ablehnung vonseiten der Hörbeeinträchtigten. Von den zur Auswahl stehenden Services fand das Monitoring der Hörgerätefunktion hier erneut die größte Zustimmung (78 Prozent). Im Ranking ganz unten landeten die sozialen Netzwerke für die Community der Hörgeräteträger – nur 32 Prozent befürworteten diese Dienstleistung im eigenen Arbeitsbereich. Darüber hinaus war die Motivation der Mitarbeiter, ob sie sich beim Chef für die Nutzung von digitalen Dienstleitungen einsetzen, für die Studie von Interesse: 30 Prozent bejahten die Frage, 38 Prozent verneinten sie und 32 Prozent sind zu keiner Entscheidung gekommen. Am meisten würden sich die Befragten wieder für das Monitoring der Hörgerätefunktionen einsetzten (43 Prozent) und am wenigsten für die sofortige Fernanpassung (20 Prozent).

Schließlich warf Richter einen Blick auf die Technik und zeigte auf, was innerhalb des Projektes bereits umgesetzt wurde und was möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden könnte. Auf der Eins-zu-eins-Ebene ist der Nutzer über eine App mit seinem Smartohone verbunden. Die App wiederum kommuniziert mit einem Server, der mit einer Datenbank verbunden ist. Den gleichen Weg schlägt der Hörakustiker ein – so kann er mit seinem Kunden kommunizieren und ihm Services anbieten. Und was ließe sich auf der Eins-zu-n-Ebene zum Beispiel in Sachen Szenenklassifizierung realisieren? Man könnte die Daten vieler sammeln, sie auswerten und die einzelnen Anwender davon partizipieren lassen. Befindet sich ein Hörsystemträger in einer bestimmten Situation, werden bestimmte Eckparameter der Umgebung an den Server gesendet und nach einer Feinjustierung bekommt der User eine für ihn individuelle, angepasste Szenenklassifizierung. Und was die N-zu-m-Ebene anbelangt, wäre eine akustische Bewertung von öffentlichen Orten wie Restaurants möglich, die auch Normalhörenden zugutekommen würde.

Im Rahmen von Audio-PSS habe man zudem mit dem Aufbau einer akustischen Szenendatenbank begonnen, in die reale, binaurale Aufnahmen eingepflegt wurden. Von Bedeutung waren Situationen, die für den Hörgeräteträger realistisch und relevant sind, unter anderem mit vielen Sprechern. Teilweise wurden die Soundumgebungen auch mit Sprachsignalen gemischt. „Das System hatte dann die Aufgabe, die Situationen zu klassifizieren, das wurde dem Netzwerk in der Cloud antrainiert. Wenn der Hörgeräteträger draußen unterwegs ist und Höreindrücke auf ihn einwirken, bekommt er aus der Cloud eine Empfehlung, dass das Hörgerät die Parameter verändert. Anschließend bitten wir ihn um ein Feedback, ob die Einstellung optimal ist oder nicht. Diesen Prozess haben wir mit vielen Hörgeräteträgern durchgeführt und die Feedbacks auf das System zurückgespielt, sodass es sich immer weiter optimieren konnte.“ Wer Interesse habe, könne an dem Projekt, das noch bis Mitte des Jahres laufe, teilnehmen – mit diesen Worten beendete Richter seinen Vortrag.      Nadine Röser

 

Foto: EUHA/Foto Rechtnitz

 

 

Der wohl kurzweiligste und unterhaltsamste Beitrag des Future Friday kam von Michael Luikenga, Leiter der Vertriebsaudiologie bei Unitron. Sein Thema war die Anamnese 4.0. „Wir verkaufen etwas, das keiner haben will“, brachte Luikenga das Kernproblem auf den Punkt. „Die Leute zelten vor den Apple Stores, wenn es ein neues iPhone-Modell gibt, aber Oma Lotte mit ihrem Rollator schläft nicht vor dem Hörakustikgeschäft, weil am nächsten Tag das neue Unitron-Gerät auf den Markt kommt. 80 Prozent der Kunden sind im Widerstand.“ Unangenehm sei es für den Kunden, ähnlich wie der Gang zum Zahnarzt oder Urologen: „Du bist sofort fällig beim Hörakustiker.“ Vieles spreche aus Kundensicht gegen ein Hörgerät: das Bin-bald-tot(BBT)-Argument, vorgeschobener Geldmangel oder auch eine völlige Fehleinschätzung des eigenen Hörvermögens: „Ich höre noch gut, sagt der Kunde, kann aber kein „s“ mehr sprechen und merkt es nicht“, sagte Luikenga. Außerdem seien viele fixiert auf Kassengeräte, beeinflusst von ihren Bekannten und Verwandten, den Medien, Krankenkassen und vor allem den Hals-Nasen-Ohren(HNO)-Ärzten, die in Deutschland quasi-religiösen Status hätten. „Da kommt man nicht gegen an.“ Die Einstellung des Kunden sei falsch, weil er von außen jede Menge an Informationen bekomme mit dem Tenor „Hörgeräte sind doof, Hörakustiker sind alle Betrüger“. In der Ausbildung haben die theoretischen Fallbeispiele mit der Realität wenig zu tun; dort werde mit der Annahme gearbeitet, der Kunde wolle tatsächlich ein Hörgerät haben.

Seit den 1980er-Jahren habe sich an der Anamnese, wie sie angehenden Hörakustikern in Lübeck beigebracht werde, nichts Wesentliches geändert, obwohl ringsum alles im Wandel sei. Psychologie und Kommunikationstraining stehen kaum auf dem techniklastigen Lehrplan. „Wir machen eine Messung, sagen ihm, dass er ein Hörgerät braucht, obwohl er keins möchte, und das Ganze für 3.000 Euro. Der Kunde wird total veräppelt.“ Der Ratsuchende fühle sich nicht ernst genommen. Allein die Frage nach der Beschreibung des Höralltages sei völlig daneben. Oder Fragen wie: „Wer hat’s denn gemerkt, Sie oder Ihre Frau? Welches ist Ihr Telefonohr? Wo hören Sie denn schlecht (na du Blödmann)? Im Restaurant, Kino, Theater? Sind Sie oft in großen Gruppen unterwegs, auf Partys? Was machen Sie eigentlich?“ Wie bei einem Verhör feuerte Michael Luikenga eine Frage nach der anderen ins lachende Publikum.

„Wir müssen die Fragen anders stellen und Möglichkeiten finden, besser zu beraten“, lautete sein Fazit. „Es wäre doch cool, wenn wir den Kunden dazu bringen, zu reden, denn was er uns sagt, behält er später auch.“ Techniken aus dem Coaching können hier helfen, etwa zuerst zu fragen, wo und in welcher Situation der Kunde das Gefühl hatte, dass das Hören für ihn anstrengend war. Und dann tatsächlich eine Pause zu machen, nachdem man die Frage gestellt hat. „Wie lange können wir Hörakustiker schweigen? Eine Millisekunde?“ fragte Luikenga provokativ. Jeder Kunde sei eigentlich wie ein erstes Date: „Ich will einfach hören, was er sagt. Er interessiert mich, er steht im Mittelpunkt. Ich frage bloß: Beschreiben Sie mal genauer. Und: Welche Auswirkungen hat das? Wie ist das für Sie, wie geht es Ihnen damit?“ Die entscheidende Frage sei dann: Was wünschen Sie sich? Erst danach komme die Lösung. Das sei Coaching – Problembewusstsein, Problemrelevanz, Änderungswille, Lösung. Es könne nicht sein, dass der Anteil der Premiumgeräte bei lediglich neun Prozent in Deutschland liege. „Was muss der Kunde in der Anamnese erzählt haben, dass das Kassengerät für ihn das beste auf der Welt ist? Keine Freunde mehr, Dackel tot, alle weg?“, fragte Michael Luikenga in gewohnt anschaulicher Art. „Oder liegt es daran, dass wir bisher falsch gefragt haben, an uns“, gab er den Anwesenden am Ende seines Vortrages als Denkanstoß mit auf den Weg.    Wiebke Scheurlen

„Was wäre, wenn…“ – gleich zu Beginn ihres Vortrages lud Michelle Hicks, Ph.D. vom US-amerikanischen Hörsystemhersteller Starkey, die Zuhörer zu einem Gedankenspiel ein. „Was wäre, wenn wir das Hörgerät revolutionieren, indem wir es derart umgestalten, dass es alle haben möchten?“ Wenn es nicht nur dem Hören diente, sondern attraktive Zusatzfunktionen hätte, so wie das iPhone nicht nur ein Telefon, sondern ein multifunktionales Gerät sei? Wäre dann nicht eines der Hauptprobleme gelöst, nämlich dass Menschen mit Hörproblemen viel zu lange warten, ehe sie etwas gegen ihren Hörverlust unternehmen? Natürlich bleibe die Qualität des Hörerlebnisses weiterhin der zentrale Fokus, insbesondere die Verbesserung der Sprachverständlichkeit und der Klangqualität beim Streaming. Darüber hinaus könnte das Hörgerät aber auch dem Gesundheitsmanagement des Patienten dienen, indem es Daten zu seiner körperlichen und mentalen Fitness erfasst, und gleichzeitig eine Art persönlicher Assistent für ihn sein. „Stellen Sie sich nur vor, welche Art von Sensoren und Technologien wir in so ein Hörgerät packen können, um die allgemeine Lebensqualität und das Wohlbefinden der Patienten zu steigern“, sagte Michelle Hicks, die bei Starkey für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich ist.

Dass derlei längst Realität und nicht visionäres Wunschdenken ist, räumte Hicks am Ende ihres Vortrages beim Future Friday ein: „Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen Einblick in die Zukunft geben, die schon hier ist mit den Livio-AI-Produkten.“ In ihrer halbstündigen Präsentation erklärte sie die Funktionen und Vorteile des smarten, auf künstliche Intelligenz (KI) basierten Hörsystems und ging dabei insbesondere auf das Tracking von körperlicher und mentaler Aktivität ein. Der Markt der Fitness-Tracker werde exponentiell wachsen, weil die Menschen zunehmend selbstbestimmt über ihre Gesundheit informiert sein möchten. Der Gehörgang sei der ideale Ort für Sensoren zum Messen von Vitalparametern; die Daten seien sehr akkurat. „Das Ohr ist nicht das neue Handgelenk, es ist besser!“, sagte Michelle Hicks. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass allein das Tragen von Schrittzählern zu mehr körperlicher Aktivität führt. Einen solchen Anreiz soll der body health score von Livio AI bieten. Dementsprechend soll sich das Erfassen der Höraktivität und der sozialen Interaktion mit dem Brain Health Score positiv auf die Tragezeiten des Hörsystems und damit auch auf die kognitiven Fähigkeiten des Hörgeschädigten auswirken.

Eine weitere wichtige Lebenshilfe für ältere Menschen sei der eingebaute Fallsensor mit Sturzmeldungen an ausgewählte Notfallkontakte über das Smartphone. Dies veranschaulichte Hicks durch ein kurzes Video. Abschließend beschrieb sie die Leistungsmerkmale des virtuellen Assistenten: Sprachanfragen, Bedienungstipps für das Hörgerät, Wegbeschreibungen und Fremdsprachenübersetzungen direkt ins Ohr und vieles mehr seien damit möglich. Dass Features wie die automatische Erinnerung an einzunehmende Medikamente nicht nur „nice to have“ sind, verdeutlichte die Starkey-Trainerin anhand einer Statistik aus den Vereinigten Staaten. Demnach koste die Nichteinnahme verschriebener Medikamente das amerikanische Gesundheitssystem jährlich circa 300 Milliarden US-Dollar und sei für ungefähr 125.000 (eventuell vermeidbare) Todesfälle verantwortlich. Prävention sei auch die nächste Entwicklungsstufe des Falldetektors, gab Hicks auf Anfrage aus dem Publikum preis. Derzeit arbeiten die Starkey-Tüftler an einem Frühwarnsystem, das zum Beispiel Unregelmäßigkeiten im Gang des Hörsystemträgers erkennen und auf eine mögliche Sturzgefahr hinweisen soll. Gleichgewichtstrainings seien ein weiteres Forschungsgebiet. Damit blickte sie dann doch noch ein bisschen in die Zukunft.      Wiebke Scheurlen

 

Seit mehreren Jahren arbeitet die Firma Widex Hörgeräte GmbH an der Brennstoffzellentechnologie für Hörsysteme. In seinem Vortrag in Raum Hongkong gab Simon Müller, audiologisch-wissenschaftlicher Leiter bei Widex, einen Einblick in den aktuellen Entwicklungsstand. „Es ist ein spannendes Thema, das viele in der Branche beschäftigt“, sagte Müller einleitend. Widex sei weiterhin an dieser Technologie interessiert, die es erlaube, in wenigen Sekunden Strom zu erzeugen. Der Zeitpunkt der Markteinführung sei allerdings nicht absehbar.

Bereits im Jahr 1839 entwickelt und beim Bau des Telegrafennetzes in den Vereinigten Staaten eingesetzt, war die Umwandlung von chemischer in elektrische Energie mithilfe von Wasserstoff und Sauerstoff zunächst erfolgreich. Jedoch konnte die Technologie in Konkurrenz zu den wesentlich günstiger stromproduzierenden Dampfmaschinen nicht bestehen und geriet in Vergessenheit. Erst in den 1950er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebte sie ein Comeback und wurde von der National Aeronautics and Space Administration (NASA) für die Bordelektronik bei Apollo- und Gemini-Missionen eingesetzt. „Ohne die Brennstoffzelle wäre es nicht möglich gewesen, auf dem Mond zu landen“, erklärte Müller.

Inzwischen setzen viele Industriezweige auf die Brennstoffzelle – besonders im Automobilbereich – aber die Entwicklung berge noch Herausforderungen, auf die Müller im Laufe seines Vortrages näher einging. Zunächst erklärte er den Nürnberger Kongressteilnehmern die Funktionsweise einer Brennstoffzelle, die üblicherweise mit Wasserstoff betrieben wird. Dieser könne auch durch den einfachen organischen Alkohol Methanol ersetzt werden, der sich wegen seiner hohen Energiedichte als idealer Kraftstoff auf kleinstem Raum eigne, wie etwa in Hörsystemen. Die Stromgewinnung erfolge durch eine Redoxreaktion, also das Zusammenwirken einer Oxidation und einer Reduktion. Auf der Anodenseite der Brennstoffzelle treffe die Methanollösung auf eine Katalysatorschicht, an der Wasserstoffionen und Elektronen abgespalten werden. Restprodukt ist ein kleiner Teil Kohlendioxid. Lediglich die neu entstandenen Wasserstoffionen wandern durch eine semipermeable Membran hindurch auf die Kathodenseite, wo sie mit dem dort zugeführten Sauerstoff zu Wasser reagieren. Die an der Anode entstandenen Elektronen werden von der Membran daran gehindert, direkt zur Kathode zu wandern – sie bewegen sich über einen elektrischen Leiter dorthin und verbinden sich dann mit den Sauerstoffmolekülen – Strom fließt. Simon Müller bezeichnete das Verfahren als eine „sehr elegante Weise der Stromerzeugung“, die jedoch „hochkomplex“ sei.

Widex habe sich zum Ziel gesetzt, mit einer Füllung von nur drei Tropfen Methanollösung in der Brennstoffzelle das Hörsystem für einen Zeitraum von 24 Stunden zu betreiben. Da die Kunden sich eine schnelle Energieversorgung mit einfacher Handhabung wünschten, solle die Befüllung maximal so viel Zeit in Anspruch nehmen wie ein Batteriewechsel, möglichst unter 20 Sekunden. Eine Kartusche müsse zwei Hörsysteme für vier Wochen versorgen. Den Produktdesignern gebe Widex vor, dass die Brennstoffzelle nicht mehr Platz einnehmen dürfe als eine Batterie und Batterielade zusammen. „Wir wollen nicht zum Taschengerät zurück, bloß weil sich das Energiekonzept verändert“, erklärte Simon Müller. „Das bedeutet, wir müssen klug designen, um dieses Verfahren zu realisieren.“

Der Leiter der Audiologie sprach eine Reihe von verfahrenstechnischen Schwierigkeiten an. Um viel Energie auf kleinstem Raum zu erzeugen und die Leistungsfähigkeit der Methanolbrennstoffzelle zu steigern, müsse man das Verhältnis von Oberfläche und Volumen optimieren. Dies könne erreicht werden durch eine neue Katalysatorschicht mit einer dreidimensionalen Oberfläche, die wie eine Art Schwamm oder Raster wirke. Dafür seien Produktionsstrukturen im Größenbereich von Nanometern, also in mikroskopisch kleiner Größe, nötig. Außerdem müsse die Energieleistung der Brennstoffzelle angehoben werden, um genug Strom für den Betrieb von Hörsystemen zu erzeugen.

Platzgründe stellten die Widex-Entwickler vor ein weiteres Problem, nämlich wie die einzelnen Komponenten der Redoxreaktion in die Brennstoffzelle hinein- beziehungsweise aus ihr herausgeleitet werden können. In einer aktiven Zelle geschehe dies über Ventilatoren und Pumpen sowie eine intelligente elektronische Steuerung. „Das fällt im Hörsystem alles weg, denn ich muss Platz sparen“, sagte Simon Müller. Trotzdem müsse gewährleistet sein, dass die Zelle schnell und einfach befüllbar sei, zuverlässig abgedichtet und auch bei einer Änderung der räumlichen Ausrichtung, etwa wenn der Hörsystemträger sich hinlege, weiterhin Strom erzeuge. Hier arbeite Widex mit dem komplexen Verfahren einer passiven Brennstoffzelle. Die Federspannung in der Zelle müsse genau austariert sein, sodass überschüssiges Kohlendioxid nicht die Membran auf der Anodenseite blockiere und es andererseits nicht zu einem Methanol-Crossover komme, das heißt einer unbeabsichtigten Sammlung von Methanol auf der Kathodenseite, ohne dass davon Strom erzeugt werde. Beide Effekte schmälerten die Wirkungsweise der Brennstoffzelle, erklärte Simon Müller dem Publikum auf dem Future Friday. „Das alles sind Herausforderungen, die zum Großteil, aber eben noch nicht komplett gelöst wurden“, erklärte er abschließend.     Wiebke Scheurlen

 

Zum Abschluss der Vorträge in Raum Kopenhagen forderte Sebastian Wiesner, Teamleiter Produkt- und Softwaretraining bei Bernafon, noch einmal die ganze Aufmerksamkeit der Teilnehmer ein. Wiesner machte deutlich, dass Verstärkung und dynamische Parameter nicht allein über den Erfolg einer Hörgeräteanpassung entscheiden. Er beschrieb, welche Ansätze sein Unternehmen in der Signalverarbeitung und Dynamikanpassung von Hörgeräten verfolgt. Wenn zwei Kunden mit nahezu identischer Hörkurve mit ganz unterschiedlichen Geräten versorgt werden müssen, liege das unter anderem daran, dass sich das Verhältnis zu Störgeräuschen und Lautheit im Laufe des Lebens verändere, bei Normalhörenden ebenso wie bei Hörgeschädigten, eröffnete Wiesner seinen Vortrag. Beim Verstehen in geräuschvoller Umgebung komme es nicht nur auf die quantitative Bestimmung des Hörverlustes an, es gehe auch um die Qualität des Hörens, den Wohlfühlfaktor. Wichtig sei zu erkennen, dass bei einem gleichen Hörverlust der Signal-Rausch-Abstand (SNR) der Kunden ganz unterschiedlich sein könne. Bei Bernafon habe man sich bei der Neuentwicklung von Hörgeräten deshalb besonders auf die SNR-Bestimmung und das Hören in geräuschvoller Umgebung konzentriert. Kunden, so die Erfahrung, wollen Geräte, die einen natürlichen Höreindruck vermitteln. Dafür habe das Unternehmen mit ANR Plus eine Methode entwickelt, die ständig den SNR analysiere. Ist Sprache dominant, wird die Störschallunterdrückung reduziert, ist der Störschall zu laut, greift die Unterdrückung. Als einfachste Möglichkeit, den SNR-Verlust eines Kunden zu erkennen, beschrieb Wiesner den Acceptable-Noise-Level(ANL)-Test, der heute in fast allen Geräten vorhanden sei. Den SNR-Verlust teilte Wiesner in vier Kategorien ein:

  • Bei einem SNR-Verlust von 0 dB bis 3 dB greift die Kategorie normal, die technologische Unterstützung muss nur gering eingestellt werden.

  • Ein SNR-Verlust von 3 dB bis 7 dB SNR erfordert, die dynamisch adaptiven Parameter leicht bis mittelgradig anzusiedeln und die technologische Unterstützung auf „mittel“ zu stellen.

  • Ein SNR-Verlust von 7 dB bis 15 dB fällt in die Kategorie hochgradig und erfordert unter Umständen Zubehör. Der Kunde muss darauf vorbereitet werden, dass die Anpassung schwieriger wird und/oder mehr Arbeit erfordert, um ihn zufriedenzustellen.

  • Bei einem extremen SNR-Verlust von 15 dB ist Zubehör zwingend notwendig. Das Hörgerät muss 15 dB Abstand im Störgeräusch in jeder Situation schaffen.

 Dem qualitativen Ansatz entsprechend verfolgt Bernafon zwei Sprachverarbeitungsstrategien: die phonembasierende Sprachverarbeitung und die enveloppenbasierende Sprachverarbeitung. Grundlage dafür ist die Channel-Free-Technologie, die auf Kanäle verzichtet und 20 000-mal pro Sekunde die Verstärkung verändern kann. Die phonembasierende Signalverarbeitung ist geeignet für Menschen mit guter auditiver Auffassung. Dabei wird jedes Phonem einzeln analysiert und verstärkt. Bei älteren Kunden und im WHO4-Bereich mit einem hochgradigen Hörverlust kommt die enveloppenbasierende Sprachverarbeitung zum Einsatz. Auch bei dieser Technik werde das Signal auf Phonemebene analysiert, aber die Verarbeitung erfolge linearer und verwende einen zeitlichen Mittelwert für die Verstärkung. So sei es möglich, den natürlichen Kontrast zwischen lauten und leisen Klängen besser zu bewahren. Für Kunden mit geringerem auditivem Auflösungsvermögen sei dies wichtig, um Sprache zu verstehen.

Schließlich kam Wiesner noch auf die qualitative Bewertung der Eingangspegel bei Bernafon-Hörgeräten zu sprechen. Mittels Dynamic Amplification Control (DAC) werde das Eingangssignal identifiziert. Nur wenn die Geräte Sprachanteile erkennen würden, werde ein leiser Eingangspegel nach oben komprimiert.   Gudrun Porath

 

Vom neuromorphen Processing und künstlicher Intelligenz zu Neuromarketing und emotionaler Intelligenz, diesen Schritt vollziehen beim Future Friday Andreas Eckernkemper und Patrick Breitenfeld von AS AudioService. Eckernkemper nahm den Begriff der Loyalität genauer unter die Lupe und stellte fest: „Loyale Kunden sind rentabler.“ Je länger eine Kundenbeziehung dauere, desto weniger müsse der Hörakustiker darin investieren. Loyale Kunden seien zudem toleranter gegenüber Preisveränderungen und auch Fehlern, die in jedem Business passierten. Zufriedene Kunden seien die besten Werbeträger, Loyalität sei also wirtschaftlich interessant. Wenn man Loyalität als freiwillige Treue definiert, könne man sie positiv beeinflussen, aber nicht wirklich selbst steuern.

Ein Modell aus der Gehirnfoschung belegt, dass es loyale und weniger loyale Menschen gibt. Die Verortung des Bindungsmotivs liegt im Bereich der Balance, bei der Zielgruppe der Harmoniser und der Traditionalisten. Laut Untersuchungen gehören 46 Prozent aller Menschen in Deutschland zu denjenigen, die stärker bindungsaffin sind als andere. Bei den über 60-jährigen Menschen gehören 72 Prozent zu dieser Zielgruppe. „Das ist ein Riesenpotenzial“, ist Eckernkemper überzeugt. Mit welchen Themen und Emotionen kann ich die loyalen Kunden ansprechen? Auch hier hilft das Modell weiter. Beim Bindungsmotiv, das zeigt die Limbic Map, sind weitere Werte verortet. Besonders wichtige Werte für den Hörakustiker als Geschäftsmann könnten demnach Vertrauen, Sicherheit, Verlässlichkeit, Qualität, Authentizität sein.

Patrick Breitenfeld übertrug die Attribute auf die eigenen Produkte. Wichtig sei es, für den Hörakustiker Software anzubieten, die einfach zu nutzen sei, Verfügbarkeit zu gewährleisten und ein verlässliches Produkt zu liefern, dass sicher funktioniere. Angebote wie der Online-Update-Manager würden zudem sicherstellen, dass der Hörakustiker immer den aktuellen Stand der Software nutzen könne und die aktuelle Technik präsentiere. Der Onlineshop biete die Möglichkeit, unabhängig von den Kundenterminen die Bestellung abzuschicken. Als Teil der WS Audiology-Gruppe habe man Zugriff auf deren Plattformen. „Wir haben uns vom In-dem-Ohr(IdO)-Spezialisten, nach wie vor unsere Kernkompetenz, zum Vollsortimenter entwickelt.“ Insgesamt könne man einen intuitiven Arbeitsablauf anbieten, der dem Hörakustiker Sicherheit geben soll. „Das überträgt sich auf den Kunden“, so Breitenfeld.

Andreas Eckernkemper betonte, wie wichtig es für sein Unternehmen sei, dass der Hörakustiker vor Ort eine starke Marke aufbauen könne. Dafür habe man ein neues Marketingportal entwickelt, über das die Hörakustiker die hauseigenen Werbematerialien komplett individualisieren können. „Wir machen uns als Hersteller ganz klein und nehmen uns komplett zurück, auf unseren Werbemitteln. Sie machen aus dem AudioService-Flyer Ihren persönlichen Flyer. So machen Sie Werbung für Ihre Marke.“     Gudrun Porath

 

57. Internationaler Hörgeräteakustiker-Kongress Beitragsanzahl:  9

vom 24. bis 26. Oktober 2012 in Frankfurt am Main

messegelaendeDie kleinste Metropole der Welt – wie die Frankfurter ihre Stadt liebevoll nennen – war in diesem Jahr die Gastgeberstadt des 57. Internationalen Hörgeräteakustiker-Kongresses. Zahlreiche Aussteller hatten in der Halle 5 des Congress Center Messe Frankfurt im Rahmen der Fachausstellung ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Damit Sie einen Überblick über die Aussteller bekommen, stellen wir Ihnen in unserem Ausstellerverzeichnis die ausstellenden Unternehmen, alphabetisch geordnet, kurz vor. Für die Angaben der Unternehmen übernehmen wir keine Gewähr. Sollten Sie einen Aussteller vermissen, hat sich dieser bedauerlicherweise bis zum Redaktionsschluss nicht bei uns gemeldet.

Aussteller-Showrooms 2012 Beitragsanzahl:  20
Aussteller-Showrooms 2013 Beitragsanzahl:  14
Aussteller-Showrooms 2014 Beitragsanzahl:  6
Aussteller-Showrooms 2015 Beitragsanzahl:  29

Nachlese des 60. Internationalen Hörgeräteakustiker-Kongresses in Nürnberg

Das Jahr 2015 brachte für den EUHA-Kongress nicht nur ein Jubiläum, sondern auch diverse Rekorde. Zum einen kamen circa 7 900 Besucher aus aller Welt nach Nürnberg – und somit etwa 400 Gäste mehr, als es 2014 in Hannover waren. Und auch über die bislang größte Industrieausstellung konnten sich die Organisatoren vom Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI) und der Europäischen Union der Hörgeräteakustiker e. V. (EUHA) freuen: 133 Aussteller aus 21 Ländern präsentierten in den beiden Messehallen ihre Produkte rund um die Hörgeräteakustik.

In den Showrooms stellen verschiedene Teilnehmer der Industrieausstellung ihre Messehighlights 2015 noch einmal vor – für alle, die sich an ihren Besuch in Nürnberg zurückerinnern wollen, und für jene, die nicht vor Ort sein konnten und sich nun nachträglich informieren möchten. Einige Aussteller aus diesem Verzeichnis bieten Ihnen zusätzlich ihr Filminterview direkt in ihrem Showroom.
Aussteller-Showrooms 2016 Beitragsanzahl:  28

Nachlese des 61. Internationalen Hörgeräteakustiker-Kongresses in Nürnberg

In den Showrooms stellen verschiedene Teilnehmer der Industrieausstellung ihre Messehighlights 2016 noch einmal vor – für alle, die sich an ihren Besuch in Hannover zurückerinnern wollen, und für jene, die nicht vor Ort sein konnten und sich nun nachträglich informieren möchten. Einige Aussteller aus diesem Verzeichnis bieten Ihnen zusätzlich ihr Filminterview direkt in ihrem Showroom.
Aussteller-Showrooms 2017 Beitragsanzahl:  24


Nachlese des 62. Internationalen Hörakustiker-Kongresses in Nürnberg

8 300 Gäste aus 83 Ländern besuchten in diesem Jahr Fachvorträge oder die Industrieausstellung mit ihren 135 Ausstellern, die an ihren Ständen Produkte rund um die Hörakustik präsentierten. Auf den nachfolgenden Seiten stellen die Teilnehmer der Industrieausstellung ihre Messehighlights 2017 noch einmal vor – für alle, die sich an ihren Besuch in Nürnburg zurückerinnern wollen, und für jene, die nicht vor Ort sein konnten und sich nun nachträglich informieren möchten. Für die Richtigkeit aller Angaben sind die Firmen jeweils selbst verantwortlich.

Aussteller-Showrooms 2018 Beitragsanzahl:  24

64. Internationaler Hörakustiker-Kongress Beitragsanzahl:  68
Aussteller-Showrooms 2019 Beitragsanzahl:  19


Feierlich eröffnete EUHA-Präsidentin Beate Gromke zusammen mit NürnbergMesse-Chef Bahne N. Beckmann und Thomas Mettang, Vorstand des Bundesverbandes der Hörgeräte-Industrie (BVHI), den 64. EUHA-Kongress, der in diesem Jahr vom 16. bis zum 18. Oktober in Nürnberg stattfand. 154 Aussteller in zwei Messehallen präsentierten ihre Produktneuheiten zur Hörtechnologie. Die Aussteller kamen aus 21 Ländern, betonte Dr. Stefan Zimmer, BVHI-Vorsitzender und Organisator der Fachausstellung. In seiner kurzweiligen Rede zur Kongresseröffnung drehte sich alles um die Zahl 21, die laut Numerologie unter anderem für Erfolg, Fortschritt, Karriere und Glück stehe. Eine im Sommer durchgeführte Kundenzufriedenheitsbefragung des BVHIs habe 984 Bewertungen von Hörgeräteherstellern ergeben. Quersumme: 21. Die durchschnittliche Dauer eines dafür geführten Telefoninterviews? 21 Minuten. Und wie viele Hörakustiker waren am Tag der Kongresseröffnung auf der Onlineplattform Ihr-Hörgerät.de registriert? 4 395. „4+3+9+5=21“, rechnete Zimmer begeistert vor: „Der Hammer, oder?“ Kein Wunder, dass mit 76 Prozent die Zufriedenheitswerte so hoch waren wie noch nie zuvor. „Woran liegt das? Sind die Hersteller einfach nur besser geworden?“, fragte Zimmer die im Saal Sydney versammelten Kongressteilnehmer. Seiner Meinung nach nicht: Es lag einfach an der Zahl 21.


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