Hörakustiker haben als Gesundheitshandwerker viele Kunden, die zur Risikogruppe für einen potenziell schweren Verlauf einer Coronaerkrankung zählen. Trotz der in Kraft getretenen Lockerungen der pandemiebedingten Einschränkungen geht es weiter darum, die persönlichen Besuche der Kunden im Fachgeschäft zu minimieren und dennoch den Kontakt zu halten. Deshalb befassen sich mehr und mehr Hörakustiker mit dem Thema Fernanpassung, unterstützt von neuen Angeboten der Hersteller.

So hat Signia sein Angebot an Onlineschulungen entsprechend erweitert und stellt den Hörakustikpartnern Marketingtools wie Musteranschreiben zur Verfügung, um die Endkunden über die Möglichkeiten der Signia App zu informieren. Geschäftsführer Christian Honsig appelliert im Rahmen der Kampagne #WIRZUSAMMENBEREIT in einer Videobotschaft an die Hörakustiker, den klassischen Beratungs- und Anpassungsprozess im Fachgeschäft um digitale Lösungen wie TeleCare oder Assist zu ergänzen.

Solche Lösungen werden zunehmend genutzt, vermelden auch andere Hersteller. „Zum Schutz der Hörakustiker und Endkunden verzeichnen wir aktuell eine stärkere Nachfrage nach digitalen Lösungen wie Remote Care“, sagt Sonia d’Introno, Marketingleiterin Deutschland bei Oticon in Hamburg. Sie stellt klar: „Wichtig ist und bleibt die Qualität der Beratung, diese muss vor allem nachhaltig und fachlich richtig durchgeführt werden – egal, ob digital, beim Kunden oder im Ladengeschäft. Oticon Remote Care ist für Feineinstellungen äußerst hilfreich, eine komplette Erstanpassung vor Ort ersetzt es aber nicht.“

Kreative Lösungen, abgestimmt auf die jeweilige Situation des Kunden, sind gefragt. „Wir machen das Grundsätzliche im Geschäft und die weitere Einstellung über Telecare“, sagt Mario Wilke, Hörakustikermeister beim Ohrenladen Rügen. „Wenn der Kunde kein geeignetes Mobilgerät hat, werden wir ihm eines für die Zeit der Anprobe zur Verfügung stellen, alles einrichten und es ihm erklären. Vorab können wir uns gegebenenfalls telefonisch oder per Mail verständigen. Dann setze ich mir ein Headset auf, wir sehen uns live im Videochat und ich kann alles weitere einrichten.“

Auch GN Hearing verzeichnet ein deutlich gestiegenes Interesse an Möglichkeiten der Fernanpassung seitens der Hörakustikpartner. „Diese Möglichkeiten werden von vielen als ein wichtiger Baustein gesehen, mit dem die Betriebe ihren Service aufrechterhalten und ihr Geschäft in den kommenden Monaten ausbauen können“, sagt Geschäftsführer Jochen Meuser. Er geht davon aus, „dass sich die Möglichkeiten zur Fernfeinanpassung im Zuge der Krise dauerhaft stärker etablieren werden“. Zur Unterstützung in der aktuellen Situation wurde die Markteinführung des neuen ReSound Assist Live vorverlegt. Zudem bietet GN Hearing eine Reihe von Angeboten, die den Hörakustikern den Einstieg in die Ferneinstellung erleichtern sollen. „Neben Informationen, kurzfristig angesetzten Webinarangeboten und Beratungen stellen wir auch Material für die Ansprache der Endkunden zur Verfügung“, sagt Jochen Meuser.

Phonak, einer der Vorreiter in Sachen Fernanpassung, startete bereits im Mai 2018 eine zwölfmonatige Webinarserie zu E-Audiology, um die Hörakustiker bei der digitalen Transformation zu begleiten. Auf das jüngst gestiegene Interesse an E-Solutions und webbasierten Serviceleistungen reagiert der Hersteller mit einem Ausbau seines Angebots. Ab sofort steht AudiogramDirect in der Phonak-Target-Software auch für den Remote Support zur Verfügung. Das heißt, dass der Hörakustiker jetzt auch während der Fernanpassung eine Hörmessung direkt über die Hörgeräte unter Einbeziehung der akustischen Ankopplung durchführen kann. Ein erweitertes, dreistufiges Schulungsprogramm ergänzt die E-Audiology-Offensive von Phonak.

Auch Widex unterstützt die Hörakustikpartner mit Tutorials und Leitfäden zu der Fernanpassungsfunktion Widex REMOTE CARE, die bisher im deutschen Markt laut Aussage von PR-Manager Marco-Tobias Arnold nach der Anamnese und Erstanpassung nur selten genutzt wurde. „Mit der aktuellen Coronasituation stellen wir ein steigendes Interesse seitens der Hörakustiker an der Nutzung von REMOTE CARE fest. Um eine nachhaltige Änderung der Nutzung im Markt attestieren zu können, ist es allerdings noch zu früh.“

André Mügge, Marketingleiter bei Amplifon, sieht die digitale Nähe zum Kunden nicht zuletzt wegen des Generationenwechsels als einen wichtigen Schritt in die Zukunft: „ Studien zeigen, dass die Generation Babyboomer sich zunehmend in der digitalen Welt wohl fühlt und fast schon selbstverständlich digitale Helfer wie Smartphones und Software in den Alltag integriert. Unsere neueste Generation von Hörsystemen aus dem Amplifon-Produktsortiment bietet nicht nur ausgezeichnete akustische Eigenschaften, sondern insbesondere die Möglichkeit, das Hörsystem mit der Amplifon-App zu verbinden und so auch aus der Ferne Einstellungen zu personalisieren.“ Auch Amplifon verzeichnete steigende Nutzungszahlen der App in Coronazeiten. ws

 

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