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Eine ausreichend große Kapazität des Arbeitsgedächtnisses ist Voraussetzung für geistige Aktivitäten, etwa das Nachdenken oder Aufnehmen von Informationen. Ist die Kapazität nicht ausreichend, kann sich dies negativ auf die Sprachentwicklung, den Schulerfolg und das Verhalten auswirken. Ausgleichen lasse sich eine solche negative Entwicklung durch gezielte Hörtrainings mit Musik, ermittelte Dr. Kaija Früchtenicht in einer Studie, die sie in Ausgabe 4/2017 der Zeitschrift „Praxis Sprache“ vorstellte. Hintergrund sei, dass Sprache und Musik in denselben beziehungsweise sich überlappenden Gehirnregionen verarbeitet werden. An der Studie nahmen insgesamt 92 Vorschulkinder teil, die Probleme mit dem Sprachverständnis aufwiesen. Eine Gruppe erhielt ein musikbasiertes Hörtraining, eine zweite eine sonstige pädagogische Förderung und die dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe. Zum Einsatz kamen Musikstücke von Mozart, Bach und Vivaldi, die von Streich-, Zupf- oder Holzinstrumenten gespielt wurden. Die Musik wurde dahingehend verändert, dass tiefe Töne unter etwa 1 000 Hertz rausgeschnitten wurden und hohen Frequenzen höher gefiltert wurden. Das Klangvolumen wurde also technisch reduziert. Die Kinder der ersten Gruppe hörten die Musik für circa drei Monate dreimal wöchentlich für je 30 Minuten über Kopfhörer. Dabei konnten sie gleichzeitig einer stillen Beschäftigung nachgehen. Es zeigte sich, dass das Hörtraining sehr effektiv war. Das auditive Arbeitsgedächtnis, insbesondere das phonologische Arbeitsgedächtnis, sowie das Hochtonverstehen wurden deutlich verbessert. Zudem wurde auch die Lautdiskriminationsfähigkeit verbessert, obwohl es sich um ein sprachfreies Hörtraining handelte. Darüber hinaus wurden weitere positive Effekte des Hörtrainings beobachtet: die so geförderten Kinder wurden insgesamt ruhiger und aufmerksamer, die Aussprache mancher Kinder verbesserte sich und auch die Störschallfilterung gelang scheinbar besser. Ferner scheint die Wirkung nachhaltig zu sein. Da ein solches Hörtraining einfach und effizient zu sein scheint, wünscht sich die Autorin weitere Studien zur Wirkweise. AF

 

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