Foto: BVHI

Anlässlich des Welttages des Hörens, der sich heute zum zehnten Mal jährt, fordern Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (BVHNO), die Europäische Union der Hörakustiker (EUHA) und der Bundesverband der Hörgeräte-Industrie (BVHI), dass regelmäßige Hörscreenings ab dem 50. Lebensjahr in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden. So könnten milliardenschwere Folgekosten unversorgter Hörminderung vermieden und das Risiko gravierender Folgeerkrankungen gesenkt werden. 5,8 Millionen Erwachsene in Deutschland leben mit einem beeinträchtigenden Hörverlust, aber nur jeder Dritte unternimmt etwas dagegen. Das heißt, hierzulande lassen 3,8 Millionen Menschen – die Einwohnerzahl Berlins – ihren Hörverlust nicht versorgen. Sie nehmen das Risiko beruflicher Schwierigkeiten, sozialer Isolation und zum Teil schwerwiegender Folgeerkrankungen in Kauf. Ein Problem, das durch den demografischen Wandel absehbar noch größer wird.

 

Folgekosten und berufliche Nachteile verhindern

In Deutschland führen Produktivitätsverluste bei hörgeminderten Personen im Erwerbsalter zu Folgekosten von 39 Milliarden Euro pro Jahr. Pro Person mit unversorgtem Hörverlust sind das 10.300 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“. Ein weiterer Befund: Menschen mit einer unversorgten Schwerhörigkeit arbeiten eher in Berufen mit niedrigerem Anforderungsprofil als (Hör-)Gesunde oder mit Hörsystemen versorgte Arbeitnehmer. Zwei Gründe mehr, sich frühzeitig mit dem Thema Hörgesundheit auseinanderzusetzen und Vorsorge zu betreiben.

 

Für mehr Lebensqualität und Sicherheit

62 Prozent der schwerhörigen Europäer ohne Hörgeräte fühlen sich nach der Arbeit körperlich erschöpft – unter Hörgeräteträgern sind es lediglich 39 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die EuroTrak Studie Deutschland aus dem Jahr 2018: „Die Versorgung mit Hörsystemen hilft nicht nur, akustisch wieder mit dem beruflichen und privaten Umfeld in Verbindung zu treten, sondern fördert die Gesundheit und die Sicherheit im Alltag“, führt Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des BVHI, weiter aus. Nur dank unserer Ohren registrieren wir Gefahren oder Signale, die erst später sichtbar werden. Besonders im Straßenverkehr unterstützt unser Gehör die Reaktionszeit der Verkehrsteilnehmer, ob im Auto, auf dem Fahrrad oder zu Fuß, und sorgt so für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr.

 

Welttag des Hörens 2020 unter dem Motto „Hör nicht auf!“

Die Forderung nach einem gesetzlichen Hörscreening ab 50 knüpft an den Appell der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Welttag 2020 an: „Don‘t let hearing loss limit you!“ Die WHO ruft Hörgeschädigte dazu auf, sich durch einen Hörverlust nicht einschränken, sondern vielmehr rechtzeitig versorgen zu lassen. Niemand sollte wegen einer nicht versorgten Schwerhörigkeit auf das verzichten müssen, was er gerne tut – soziale Kontakte pflegen, mobil bleiben, Musik genießen und die Natur mit allen Sinnen erleben. Ein regelmäßiges Hörscreening ab dem 50. Lebensjahr würde dazu beitragen, dass mehr Menschen früher diagnostiziert werden und dadurch länger aktiv, gesund und sicher leben.

 

Daten zur Hörgeräteversorgung in Deutschland

  • 12 Prozent der Bundesbürger halten ihre Hörfähigkeit für gemindert (Quelle: EuroTrak Germany, 2018).
  • 37 Prozent von ihnen tragen Hörgeräte (Quelle: EuroTrak Germany, 2018).
  • 39 Milliarden Euro betragen die jährlichen Kosten für unversorgte Hörminderungen in Deutschland (Quelle: Hearing Loss – Numbers and Costs, 2019).
  • Eine Ausweitung der Hörgeräteversorgung trägt dazu bei, diese Kosten sowie die Risiken von Folgeerkrankungen nachhaltig zu senken.             

 

BVHI

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