Ausstellernachrichten 2017


Nachlese des 62. Internationalen Hörakustiker-Kongresses in Nürnberg

8 300 Gäste aus 83 Ländern besuchten in diesem Jahr Fachvorträge oder die Industrieausstellung mit ihren 135 Ausstellern, die an ihren Ständen Produkte rund um die Hörakustik präsentierten. Auf den nachfolgenden Seiten stellen die Teilnehmer der Industrieausstellung ihre Messehighlights 2017 noch einmal vor – für alle, die sich an ihren Besuch in Nürnburg zurückerinnern wollen, und für jene, die nicht vor Ort sein konnten und sich nun nachträglich informieren möchten. Für die Richtigkeit aller Angaben sind die Firmen jeweils selbst verantwortlich.

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„Abenteuer Amerika“ – eine ganz neue Erfahrung

@Foto: privatMichelle Mohring (23) ist Studentin. Und sie ist schwerhörig – auf dem linken Ohr mittel- bis hochgradig und auf dem rechten an Taubheit grenzend. Doch dieses Handicap hielt sie nicht davon ab, allein in die USA zu reisen, um an einem College in West Virginia ein viermonatiges Gastsemester zu absolvieren. Wir fragten die junge Frau, inwieweit ihr ihre bimodale Versorgung mit einem Cochlear Nucleus 6-System und einem Hörgerät ReSound LiNX2 beim Auslandsstudium besondere Vorteile bot.

HörPäd: Frau Mohring, was genau studieren Sie und was sind Ihre beruflichen Pläne?

Michelle Mohring: Ich studiere Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Nach meinem Studium will ich in einer Hörgeschädigtenschule arbeiten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es für hörgeschädigte Kinder ist, Erwachsenen zu begegnen, die gleichfalls schwerhörig sind. Es gibt eben Dinge, die nur solche Lehrer vermitteln können, die selbst mit Hörschädigung leben. Ich möchte den Kindern Mut machen, vielleicht auch so ein bisschen wie ein Vorbild sein. Als Lehrerin mit dem Förderschwerpunkt Hören habe ich mich unter anderem auf das Fach Englisch spezialisiert. Ende vergangenen Jahres war ich deshalb zu einem viermonatigen Studienaufenthalt im Bethany College in West Virginia. Für mich war dieser Auslandsaufenthalt eine ganz neue Erfahrung.

HörPäd: Ihre Eindrücke und Erlebnisse in den USA konnte man in Ihrem Blog (siehe www.hoerreise.net) mitverfolgen. Hier verrieten Sie auch, dass Sie das „Abenteuer Amerika“ durchaus Überwindung gekostet hat?

Michelle Mohring: Das stimmt. Viele meiner Freunde, die in Australien, Kanada oder Neuseeland waren, wurden durch ihre Erlebnisse selbstbewusster, weltoffener und es hat sie das Fernweh gepackt. Ich aber hatte zuvor noch nie länger als zwei Wochen im Ausland zugebracht. In ungewohnter Umgebung war ich eher schüchtern. Ich traute mich nie recht, kopfüber in ein ungewisses Abenteuer zu springen, schon gar nicht alleine. Andererseits reizte es mich, herauszufinden, wie es ist, aus meiner Komfortzone rausgehen zu müssen, insbesondere mit meinen zwei „Schlappohren“. Ich habe mein Auslandssemester auch als eine perfekte Gelegenheit verstanden, ganz viele neue Dinge zu erleben und auszuprobieren und viel über mich selbst zu erfahren.

HörPäd: Wie sind Sie mit dem Sprachverstehen im Englischen zurechtgekommen?

Michelle Mohring: Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, die schnellen englischen Sprecher zu verstehen. Ich hatte erwartet, dass sie dort in etwa so sprechen wie die Dozenten in den Seminaren und den Vorlesungen bei uns. Die sprechen auch schon ganz schön schnell. Aber dort … Sie sprechen sehr schnell, jedes Wort wird zerkaut, und dann kommt da irgendein Satz raus. Es ist sehr schwer zu erkennen, wo das eine Wort endet und das nächste beginnt. Und natürlich spricht auch nicht jeder gleich. Einer meiner Freunde war Marokkaner und sprach deshalb marokkanisches Englisch. Er sagte zum Beispiel nicht Lib – für Library, sondern Läb. Als er nach dem Unterricht meinte, er geht jetzt noch zur Läb, habe ich mich gefragt, ob er vielleicht in ein Labor will, um Experimente zu machen … – Hinzu kommen die Dialekte. In New York sprechen sie ganz anders als in Bethany, im eher ländlichen West Virginia. Ein weiterer Studien-Kumpel war aus Texas, der sprach wieder einen ganz anderen Dialekt. Doch mit der Zeit wurde ich mit den Stimmen vertraut. Wenn man sich an die Sprecher gewöhnt hat, sind sie leichter zu verstehen. Und ich habe auch selbst viel und schnell produziert, das heißt, ich habe wie so ein Wasserfall geredet.

HörPäd: Die Hersteller Cochlear und ReSound kooperieren in einer strategischen Allianz, in der sie gemeinsam smarte bimodale Lösungen aus Hörgerät und Hörimplantat schaffen. Sie hören mit einem Cochlear Nucleus 6 und wurden vor Ihrer Reise zudem mit einem ReSound LiNX2 versorgt. Inwieweit hat Ihnen diese bimodale Verbindung tatsächlich Vorteile gebracht?

Michelle Mohring: Mein Eindruck ist, dass ich jetzt mit dem neuen Hörgerät ein noch besseres Sprachverstehen habe. Zum Beispiel, wenn jemand nicht in meine Richtung spricht, sodass ich sein Mundbild gar nicht sehen kann. Dann verstehe ich ihn nämlich trotzdem. Da hatte ich schon oft solche Wow-Momente, in denen ich dachte: „Ok, das habe ich ja jetzt gehört …“ Und ich habe sehr oft das Multi Mic eingesetzt – bei jeder Vorlesung und in jedem Seminar. Damit habe ich echt super Erfahrungen gemacht. Ich habe es dem jeweiligen Dozenten gegeben, und der hat es sich an die Kleidung gesteckt. Man muss es nur einschalten und anhängen, dann kann man es wieder vergessen. Das ist echt cool. Die Dozenten merken nicht mal mehr, dass sie da was haben. Und ich verstehe sie super. Sonst musste ich immer auf das Mundbild starren. Das ist natürlich blöd, wenn man nebenbei mal aufs Handy schauen will. Auch zuhören und gleichzeitig mitschreiben geht nicht, wenn man immer auf das Mundbild angewiesen ist.

HörPäd: Wie wäre es in den Lehrveranstaltungen gewesen, wenn Sie dieses Mikrofon nicht zur Verfügung gehabt hätten?

Michelle Mohring: Ohne das Mikrofon hätte ich immer vorne in der ersten Reihe sitzen müssen. Und ich müsste die Dozenten anhalten, möglichst an einer Stelle stehen zu bleiben und immer zu mir zu sprechen. Aber auch dann könnte ich nur absehen und nicht gleichzeitig mitschreiben. Und das dann noch auf Englisch! Ich habe schwerhörige Freunde an der Pädagogischen Hochschule hier in Heidelberg. Sie beklagen sich, dass sie es bei den deutschen Professoren nicht schaffen, alles mitzuschreiben. Man hört, liest von den Lippen ab, puzzelt sich alles zusammen, versteht und verarbeitet und soll dann noch das Wichtigste festhalten. Das ist extrem! Ohne das Mikrofon wäre ich da in Amerika wirklich an Grenzen gestoßen. Speziell bei einer Dozentin, die megaschnell gesprochen hat. Da war ich jedes Mal froh, dass ich das Mikrofon dabei hatte.

HörPäd: Wie bedienen Sie denn jetzt Ihre Hörhilfen?

Michelle Mohring: Zur Bedienung des CI nutze ich meine Fernbedienung und für das Hörgerät mein Handy mit der ReSound Smart App. Auch da ist das Mini Mic sehr praktisch. Man muss einfach nur Bluetooth anmachen, und schon ist es gekoppelt. Ich kann dann sogar die Lautstärke des Mikrofons regeln. Das konnte ich bisher mit meiner FM-Anlage ja nicht. Dabei hatte ich mir das schon immer gewünscht. Dass ich zum Beispiel den Dozenten etwas leiser regeln kann und meinen Sitznachbarn etwas lauter. Oder dass ich meinen Nachbarn ausblenden kann, um nur dem Dozenten zuzuhören. Bei der FM-Anlage war das ziemlich blöd eingestellt. Ich musste mich entscheiden – entweder der Dozent oder der Nachbar oder ganz abschalten; und immer nur mit einer festgelegten Lautstärke. Es war immer zu laut oder zu leise. Dass ich das jetzt jenach Bedarf selbst mischen kann, ist schon ein Luxus.

HörPäd: Konnten Sie denn auch mal den TV-Streamer und den Telefon-Clip ausprobieren?

Michelle in College-Chic – sieht super aus Michelle Mohring: Ich selbst hatte in Amerika keinen Fernseher auf dem Zimmer. Aber ich war ein paar Mal bei einer Roommate, also einer meiner Mitbewohnerinnen, um fern zu sehen. Da habe ich auch den TVStreamer angeschlossen. Das war schon eine echt coole Klangqualität. Klasse ist außerdem, dass ich auch da selbst laut und leise regeln kann. Ich konnte sogar aus dem Zimmer gehen und habe immer noch was gehört. Aber ich habe ziemlich selten Fernsehen geguckt. Den Telefonclip habe ich auch schon mal ausprobiert. Da hat es mich echt umgehauen. Die Klangqualität ist toll; ebenso, dass alles sowohl auf dem Hörgerät als auch auf dem CI ankommt.

HörPäd: Inwieweit nutzen Sie das Soundstreaming von Ihrem iPhone?

Michelle Mohring: Das Soundstreaming vom Handy ins Hörgerät ist das Allerleichteste. Man aktiviert Bluetooth, wählt die passende Musik aus, und schon hat man die Musik im Ohr und wippt einfach mit. Da haben sich die Leute echt gewundert: „Hey, was machst du denn da so die ganze Zeit?!“ – Ich so: „Ja, ich höre Musik.“ – Da waren die auf einmal ganz neidisch, weil ich ein Hörgerät hab. Das Telefonieren direkt über das Handy habe ich noch nicht so ausprobiert. Aber es funktioniert. Bisher hatte ich den Leuten immer gesagt, dass sie mir keine Sprachnachrichten schicken sollen. Einige haben sich dennoch nicht dran gehalten. Aber jetzt kann ich ja auch Sprachnachrichten abhören.

HörPäd: Man kann also sagen, dass Ihnen die strategische Partnerschaft von Cochlear und ReSound schon jetzt eine Reihe echter Vorteile bietet?

Michelle Mohring: Auf jeden Fall. Und ich freue mich wirklich sehr darauf, was diese Zusammenarbeit noch bringen wird. Wünschen würde ich mir zum Beispiel, dass ich das CI und das Hörgerät direkt vom Handy über nur eine App steuern kann. Und man müsste den Sound vom Handy zu beiden Seiten direkt streamen können. Aber die Entwicklungen werden da ja sicherlich immer weiter gehen…

HörPäd: Frau Mohring, haben Sie vielen Dank für das interessante Gespräch!

Martin Schaarschmidt, Berlin

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