Mit ihrem Buch „Auf Augenhöhe“ nehmen Hintermair et al. das Thema des beruflichen Erfolgs gehörloser und schwerhöriger Menschen in den Fokus, das bisher oft nur im Bereich der Anekdotenevidenz erörtert wurde („Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, dessen Schwager war schwerhörig/ gehörlos und erfolgreich, weil…“).

Dabei beziehen die Autoren insbesondere auch zu der schwierigen Frage Stellung, was denn eigentlich Erfolg im Beruf bedeutet: Viel Geld verdienen? Chef sein? Sich wohlfühlen und wertgeschätzt sein? Am besten können hier natürlich die Menschen selbst Auskunft geben, die im Berufsleben stehen und sich selbst als erfolgreich erleben.

Die Studie beschreibt die Erfahrungen von 32 Personen mit Hörschädigung in Form von qualitativen Interviews. Dabei wurden ganz bewusst in einer Vorauswahl Menschen mit unterschiedlichen bevorzugten Sprachen (Lautsprache, DGS) in die Untersuchung einbezogen. Die AutorInnen legen jedoch schon zu Beginn schlüssig dar, dass es nicht darum geht, eine bestimmte Sprache als vermeintlichen Erfolgsgarant zu identifizieren und daraus pädagogische Konsequenzen für die (vor-) schulische (Sprach-) Förderung hörgeschädigter Menschen abzuleiten. Dies würde die Untersuchung aufgrund der bewusst erfolgten Zusammenstellung der zu interviewenden Personen ohnehin nicht ermöglichen. Von den ursprünglich 77 schwerhörigen und gehörlosen Personen, die sich auf den Aufruf der AutorInnen gemeldet hatten und sich selbst als beruflich erfolgreich bezeichneten, konnten aus verschiedenen Gründen (u.a. personelle und finanzielle Ressourcen) insgesamt nur 32 Personen einbezogen werden. Diese wurden nach verschiedenen Clustern (z.B. Geschlecht, Alter, akademischer Abschluss/ Selbstständigkeit/ Ausbildungsberuf, bevorzugte Sprache etc.) klassifiziert, um einen möglichst breiten Überblick über die Personengruppe der beruflich erfolgreichen schwerhörigen und gehörlosen Menschen zu bieten.

Die Ergebnisse der Studie, die im Nachhinein Hinweise darauf geben können, welche Faktoren zum beruflichen Erfolg beitragen können, klingen auf den ersten Blick wenig überraschend: unter anderem werden ein offener Umgang mit der Hörschädigung, gute allgemeine Rahmenbedingungen, kommunikative Kompetenz und die Fähigkeit zur Self-Advocacy („der eigene Fürsprecher sein“) genannt. Vielleicht ist es aber am Ende genau das, worauf es ankommt.

Vielen Dank für dieses wichtige und gut geschriebene Buch aus der „Retrospektive“, das nicht allein für Personen interessant ist, die mit berufstätigen erwachsenen Menschen mit Hörschädigung zu tun haben oder selbst Adressat sind, sondern auch für die KollegInnen aus Frühförderung und Schule, die Kinder mit Hörschädigung auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleiten und schon früh zur Persönlichkeitsbildung beitragen können. Karoline Schäfer (Köln)

 

»Auf Augenhöhe«  Beruflich erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen

Manfred Hintermair, Inge Cremer, Anja Gutjahr, Antonia Losch und Hans Christoph Strauß

2017 • 255 Seiten • Softcover • € 11,80 • ISBN 978-3-941146-70-9

 

Das Buch kann per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, telefonisch unter 06221-90609-15 oder direkt hier bestellt werden; Bestellnummer ist 59297.

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